Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 30. Dezember 1944

Bromberg, den 30.XII.44

Liebe Eltern!

Nach einer erträglichen Fahrt – ich konnte immer sitzen – kamen wir gegen 1 Uhr mittags hier an. Wir zogen mit unserem Gepäck, das teilweise auf Wagen verladen wurde, zur Rinkau-Kaserne, die am Rande der Stadt liegt. Nachdem man uns bei der Anmeldung – die sich stundenlang hinzog – gleich mit einigen Fragebogen überfallen hatte, zogen wir auf eine Stube. Draußen liegt Schnee, und eine frostige Luft empfängt uns. Auf den Stuben sind große, festgemauerte Kachelöfen, für die wir am Tag 5 Pfd. Kohlen bekommen. Wie kalt es hier ist, könnt Ihr Euch denken! Gestern abend bin ich dann mit zwei gleichgesinnten Kameraden losgezogen zu einer Anschrift, die wir in Paderborn bekamen. Wir haben gleich einen Kameraden gefunden, ein Theologe,

der schon längere Zeit hier ist und am Heereszeugamt als Obgefr. Dienst tut. Durch ihn lernten wir einen prächtigen Kriegspfarrer kennen, bei dem wir zu jeder Tages- und Nachtzeit eingeladen sind. Wenn es geht, ziehen wir recht oft dahin. Wir haben eine warme Stube dort, treffen uns mit anderen Glaubensgenossen und gestalten schöne Abende. Nur raus aus dieser öden Kaserne, wenn es eben geht! Übrigens wird hier alles nicht so schlimm, wie ich mir manches vorgestellt habe. Heute morgen sind wir nun aufgeteilt worden und haben uns auf unseren richtigen Stuben eingerichtet. Am Dienstag beginnt der eigentliche

Lehrgang, der bis zum 24. April dauert. Anschließend – wenn ich bestanden habe und Oberfähnrich geworden bin – komme ich noch in einen viermonatigen Oberfähnrichslehrgang.

Für heute Schluß.

Einen recht herzlichen Gruß

Euer Karl Heinz

Eure Briefe vom 14.11. (Einschreiben) und 2.12. fand ich in Paderborn vor. Schickt mir keine Tageszeitung, höchstens „Das Reich“.

Meine Anschrift: Fhj. Uffz. Kranz, Aufkl. u. Kav. Schule
I. Lehrgruppe, 4. Inspektion, 14. Aufsicht
5a Bromberg
Rinkau-Kaserne