Karl-Heinz Kranz an seine Familie, 1. Januar 1945

Bromberg, den 1.I.45

Liebe Eltern!

Für das heute begonnene neue Jahr wünsche ich Euch von Herzen alles Gute und Gottes reichen Segen.

Ich habe mich hier ganz gut eingelebt, zumal ich nicht so ganz einsam stehe. Ich liege mit noch drei Kameraden aus Paderborn auf einer Stube (insgesamt 10 Mann). In meiner Inspektion sind noch zwei feine Kerle, die ich von Paderborn her kenne und mit denen ich viel zusammen ausgehen werde: Heribert Multhaupt und Alois Passmann. Daß wir uns beim Kriegspfarrer Graulich wie zu Hause

fühlen, schrieb ich schon. Heute abend gehen wir nach der hl. Messe zum Standortpfarrer Niehaus, um ihm einen Besuch abzustatten. Gestern abend waren wir zur Kirche und aßen anschließend im Gasthof. Dann waren wir noch kurze Zeit mit Adolf Bings, der übrigens in Steele auf der Penne sein Abi gemacht hat und manche Leute dort kennt, beim Pf. Graulich in der Wohnung, der selbst nicht da war. Auf dem Sofa lag Lt. Karl Paulus, einer aus unserem Soldatenkreis, und wartete schon auf uns. Er ist ein prächtiger Kölner. Zum Jahreswechsel um 12 Uhr lag ich gerade, wie die meisten meiner Kameraden, zu Bett. Ganz so trostlos verlassen bin ich hier also nicht, wie

Ihr seht. Überall findet man Brüder, mit denen man gleich Gemeinschaft hat.

Der Dienst wird nun langsam streng werden, die Zeit wohl sehr knapp, darum wundert Euch nicht, wenn ich Euch nicht oft schreiben kann. – Die Verpflegung ist hier wirklich gut. – Wir haben hier in der Kaserne ein Fahnenjunkerheim, das vor allem sehr angenehm geheizt ist, während unsere Stuben recht ungemütlich sind. Augenblicklich ist es nicht sehr kalt, dafür liegt hoher Schnee. – Unsere Inspektion hat zwei Ritterkreuzträger, unseren Chef, ein Rittmeister, und einen Fahnenjunker-Obwm., der mir jetzt im Fahnenjunkerheim gegenüber sitzt. –

Wie geht es Euch wohl, liebe Eltern? Hoffentlich läuft die Post zwischen uns nicht so lange. – Ich schreibe mit Bleistift, weil das Papier nicht gut ist.

Froh grüßt Euch

Euer Karl Heinz