Karl-Heinz Kranz an Bruder Gisbert, 7. August 1938
E-Steele D. 7.8.38.
Lieber Gisbert!
Mir geht es gut. Hoffentlich Dir auch. Das Wetter ist hier sehr heiß und gehen wir fast jeden Tag baden. Vorige Tage war das Wasser 26 Grad warm. Fritz kann schon etwas Schwimmen. Er war schon im großen mit Korken und hat geschwommen. Heute Nachmittag gehen wir paddeln. Wir fahren doch wieder nach Lüdinghausen. Gestern sind 850 H.J. aus Sachsen nach hier gekommen. Sie haben ein großes Lager mit ungefähr 40-50 Zelten. Gestern waren die H.J. in der Badeanstalt und sprechen
die sehr selten. Die Wände hier im Haus sind alle lakirt worden. Kaplan Theben ist auch in Steele und hat er uns schon 2 mal besucht. Karl-Heinz fährt vielleicht am Dienstag nach Rahde.
Herzlichen Gruß von Lehnhäuser
Günter
den 7.VIII.1938
Lieber Gisbert!
Ja, mit der Fahrt ist es eine maue Sache. Hans W. bekam eine Karte, auf der stand, daß wir nicht kommen könnten, weil die beiden Söhne vom Arbeitsdienst in Urlaub sind. Hans fuhr trotzdem Freitag nach Rhade. Er wollte sehen, ob wir nicht wo anders unterkämen. Er wollte mir sofort eine Karte schreiben, wenn er Quartier für uns beide hätte.
Bis heute habe ich noch keine Karte erhalten. Ich hoffe, daß sie Montag eintrifft. Dann werde ich wahrscheinlich Dienstag fahren. Ich hab’ mich vielleicht geärgert. Erst wollten wir am Montag, dem 1.VIII. fahren. Es wurde auf Dienstag verschoben, weil Mutter erst Sonntag Abend mit Vater wiederkam. Dann wollten Vater und Mutter und die Eltern von Hans nicht, daß wir eine Fahrt machten (Gründe: zu heißes Wetter, zuviel km am Tag!). Wir wollten Standquartier nehmen in Rhade und Freitags sollte es losgehen. Mittwochs war die Antwortkarte da: wir konnten nicht kommen. Hans fuhr Freitag, ich wollte Montag nachkommen. Die Karte, auf der steht, daß er Quartier hat, kommt nicht. Mutter will warten, bis sie kommt. Ich könnte, wenn sie Montag käme, Dienstag fahren; ist aber ein Fragezeichen.
Ich seh’ es schon kommen, daß es wieder verschoben wird. Am Montag, den 1.VIII., wollten wir fahren. Am Dienstag, den 9.VIII., kann ich vielleicht fahren! Da verliert man bald die Lust. – Ihr seid euch welche! Helle hat sein Rad ein paar Tage in Reparatur. Was hat er denn „kaput“? Eine 8 im Vorderrad, Gabel- und Rahmenbruch, im Hinterrad Platten? – Nächsten Sonntag ist hier Patronatsfest mit Prozession. – Vor einigen Tagen war hier ein großes Gewitter. In Eiberg schlug ein Blitz in einen Kotten ein, der darauf verbrannte. – Ich soll Grüße von Alfred Vogt bestellen. Er teilt hier schonmal die Kommunion aus.
Herzliche Grüße
Karl Heinz
Mein lieber Junge! Vorgestern Abend rief Franz Jos. Greif von Kupferdreh aus an und wollte Dich gern sprechen. Als ich ihm sagte, daß Du auf großer Fahrt seiest, meinte er, das dies sehr vernünftig sei, da Du im nächsten Jahre doch nicht mehr dazu kommen würdest. Vielleicht schreibst
Du an Greif mal meine Karte. Greif sagte mir, daß in Kupferdreh in der Kaserne eine Batterie Oesterreicher seien, die zu Preussen gemacht würden. Hoffentlich haltet Ihr die Hitze gut aus und leidet nicht so sehr darunter. Ist das nicht ein herrliches Stückchen Erde, wo Du bist und bis jetzt warst. Die diesjährige Tour gefällt Dir sicher besser, als die vorjährige. Dir und Deinem Freund noch recht viel vergnügen wünschend, bin ich mit herzl. Grüßen
Dein Vater.