Karl-Heinz Kranz an Bruder Gisbert, 20. August 1939

Essen-Steele, den 20.VIII.39.

Lieber Gisbert!

Ich will Dir nun zuerst noch etwas von meiner Fahrt erzählen. Da ich ein Tagebuch schreibe, daß Du später lesen kannst, will ich mich kurz fassen. Von Biesdorf aus fuhren wir über Echternachbrück nach Trier. Wir sahen noch viele Flandernzäune, Tankhindernisse und Bunker. Um 3 Uhr kamen wir in Trier an. Wir meldeten uns in der D.J. H. an, brachten unser Gepäck unter und fuhren in die Stadt, wo wir uns umsahen: die Paulinenkirche, den Dom, die Liebfrauenkirche, die Porta Nigra, Amphitheater, Kaisertherme. Inzwischen war es Abend geworden und wir fuhren zur D.J. H. Das andere wollten wir am anderen morgen besichtigen. Am nächsten Tag regnete es aber den ganzen morgen ununterbrochen, sodaß wir die D.J.H. nicht verlassen konnten. Als wir zu Mittag gegessen hatten, hörte es auf zu regnen. Wir starteten in Richtung Traben-Trarbach immer an der Mosel mit den herrlichen Weinbergen an steilen Hängen entlang. Das Wetter war ziemlich gut. Um ½ 7 Uhr bekam Hans Panne. 8 ¼ Uhr waren wir in der D.J.H. Am nächsten Tag fuhren wir bei schönem Wetter nach Beilstein, wo wir um 2 Uhr anlangten. Wir meldeten uns an in der D.J.H. und gingen zum Moselufer, wo wir uns

sonnten, und badeten im Fluß, der eine starke Strömung hat. Am nächsten Tag fuhren wir bei gutem Wetter nach Koblenz. Um ½ 2 kamen wir in der D.J.H. an. Ich flickte meinen Platten. Dann spazierten wir zum „Deutschen Eck“, wo Mosel und Rhein zusammenfließen. Ein prächtiges bild, das Denkmal, der Rhein, die Mosel und darauf die vielen Personen- und Frachtdampfer, und über allem die Feste Ehrenbreitstein. – Am anderen Tag fuhren wir bei gutem Wetter nach Limburg, wo wir Mittags anlangten. Wir waren (das kann ich zu Deiner Beruhigung sagen) eine gute halbe Stunde im Dom und besichtigten alles. Dann fuhren wir nach Wetzlar, wo wir abends um 7 ¼ Uhr anlangten. Nachdem wir am anderen Morgen die Panne von Hans geflickt hatten, gingen wir in den Dom; als wir gerade 10 Minuten drin waren und beide Teile erst flüchtig gesehen hatten, kam der Küster und schloß ab. Wir fuhren nach Siegen und kamen dort um 4 ¼ Uhr an. Wir spazierten noch etwas. Am anderen Morgen gingen wir in die Kirche (Sonntag) und fuhren nach dem Kaffe in Richtung Hagen ab. Nachmittags leisteten wir uns einen leckeren Kaffee mit Teilchen. Da wir uns in der D.J.H. in Hagen nicht angemeldet hatten, wollte ich nicht dorthin, sondern wir schliefen in Priorei (11 km vor Hagen) beim Bauer im Stroh. Schwer in Ordnung!

(Fortsetzung folgt!)