Karl-Heinz Kranz an Bruder Gisbert, 6. April 1941
Essen-Steele, den 6. April 1941.
Lieber Gisbert!
Endlich komme ich dazu, Dir einmal zu schreiben. – Heute nachmittag hatten wir vom Betrieb aus eine Besichtigung der Musterzeche in Bottrop. Wir konnten Angehörige und Bekannte mitbringen; da ist Günter mitgegangen. Wir trafen uns alle um zwei Uhr an der Zeche. Wir waren ca. 30 Personen. Zuerst fuhren wir in den Schacht hinunter mit einer Geschwindigkeit von 8 m in der Secunde. Die schnelle Veränderung des Luftdrucks spürte man am Trommelfell; man musste schlucken, um gegen ihn zu gehen. Die Fahrt dauerte ca. 2 ½ Minuten und ging 600-800 m tief. Dort unten bekamen wir nun alles genau erklärt, angefangen von den technischen bis zu den praktischen Dingen. Es ist tatsächlich staunenswert, unter welchen Verhältnissen die Bergleute arbeiten müssen. Die Zeche selbst war ausser Betrieb seit 5 Jahren, weil die Kohlen, welche dort gefördert wurden, nicht mehr soviel gefragt wurden. Es liegen noch für ca. 1000 Jahre Arbeit Kohlen dort.
Nach dem Rundgang durch die 7. Sohle sahen wir, ebenfalls auf dieser Sohle, einen Film (stummen), zu dem der Führer Erklärungen abgab. Der Film zeigte die Arbeit des Bergmanns. Darauf fuhren wir wieder nach oben und besichtigten einige grosse Ausstellungshallen, in denen die „Gute-Hoffnungs-Hütte“ alles mögliche ausgestellt hatte, angefangen von zig Maschinen bis zu grossen Modellen von Industrieanlagen, die diesem Konzern angeschlossen sind. Es würde zu weit führen, alles aufzuzählen; jedenfalls war es eine hochinteressante Sache. – In der Borromäusbibliothek war die Gestapo. Sie versiegelte die Schränke, in denen die aussortierten Bücher lagen und machte einige Stichproben, griff aber nur religiöse Bücher heraus. – Nächsten Dienstag habe ich Geburtstag. Bete bitte für mich, ich kann’s gebrauchen. – Ich möchte Dir so viel schreiben, es will mir nicht gelingen... vielleicht das nächste Mal...
Einen Gruss Karl Heinz
P.S. Verzeih, dass ich Dich mit meinem Geschreibsel aufgehalten habe.