Karl-Heinz Kranz an Bruder Gisbert, 12. Oktober 1941
E.-Steele, den 12. Oktober 1941
Lieber Gisbert!
Endlich haben wir nun Deine Adresse. Dank für Deine Briefe und die Karte, die wir alle erhalten haben. Deine Grüße habe ich teilweise schon ausgerichtet. Dir soll ich Grüsse bestellen von Günter Gahlmann, Stachu, Dotz und anderen. Hoffentlich kann ich den Hölderlin und das Wörterbuch bekommen.
Dir ist sicher schon aufgefallen, daß ich nicht mehr Sütterling schreibe. Der neue Schrifttyp ist aber auch keine lateinische Schrift, sondern die deutsche Normalschrift. Mir gefiel die Schrift gut und ich habe sie mir gleich angewöhnt. Meine Klaue hat sich allerdings dadurch noch nicht gebessert. Anbei schicke ich Dir einen Zeitungsausschnitt.
Von meiner Fahrt, die ich mit Hans Kuhnhaus, Willi Schaffrath und Karl Heinz Anfang September in meinem Urlaub gemacht habe, hast Du noch nichts gehört. Ich werde Dir auch heute noch nichts schreiben, denn ich schreibe ein Tagebuch, von dem ich Dir einen Durchschlag schicken werde, sobald ich es fertig habe. Nur soviel sag ich Dir: Es war prächtig!
In letzter Zeit habe ich mich im Bücherhamstern weiter erfolgreich betätigt. Für Dich habe ich nun auch das Buch von Lothar Schreyer „Bildnis des Heiligen Geistes“ als letztes Exemplar ergattern können. Sämtliche Bücher von Haecker und Pieper
sind nicht mehr zu bekommen. Die anderen habe ich alle bekommen. Es bestehen aber Aussichten, daß Festag wieder diese Sachen hereinbekommt. Ich werde mich auf jeden Fall dahinter klemmen. Für mich habe ich in letzter Zeit folgende Bücher bzw. Hefte gekauft: Maaßen, Licht durch die Nächte; Parsch, Meßerklärung; Walter, Diener des neuen Bundes; Guardini, Ein Wort zur liturgischen Frage; Lehrstücke zur Christenfibel: Hirschmann, Gewissen und Gewissensbildung; Franz Meister, Begriffe der Seinslehre; Ein güldenes ABC, Das silberne ABC, beide von Matthias Claudias, dem Wandsbecker Boten; Stifter, Der Hagestolz; Keller, Die drei gerechten Kammacher; Spoerl, Man kann ruhig darüber sprechen. Ich habe freilich fast alle noch nicht gelesen, obwohl ich mich augenblicklich mühe, viel zu lesen. Auf dem Büchermarkt sieht es augenblicklich sehr schlecht aus. Religiöse und gute profane Literatur sind sehr knapp. Bücher werden auch schon von den Buchhandlungen rationalisiert. Bei Fredebeul bekommt man z. B. nur 3 religiöse Bücher! Die Bücherknappheit wird dadurch noch gefördert, daß viele Leute, die sich früher keine oder nur wenige Bücher kauften, nun auch dahinter her sind (wie ich z. B.).
In meiner Gruppenarbeit in der Pfarrjugend, die ich wegen widriger Umstände ein paar Monate unterbrechen mußte, beginne ich nun wieder von Neuem. Ich habe mit Hans Schocke einen neuen Arbeitsplan ausgearbeitet (Der alte war schon durch). Ich denke, daß es Dich interessieren wird, was wir aufgestellt haben, deshalb schreibe ich den Arbeitsplan ab:
Schöpfung und Erlösung
Gott, seine Schönheit und Liebe
Die Schöpfung als Ausfluß der Liebe Gottes
Der Mensch als Krone der Schöpfung
Die Zerstörung der Verbindung Gott – Mensch
Der Mensch ohne Gott, die Sünde
Die Erlösung, die Gnade
Christus
Die Heimholung der Welt, gloria dei
Material: Gröber, Handbuch der religiösen Gegenwartsfragen; Junglas, Die Lehre der Kirche; Tilmann, Das Schönste, was es gibt; Christenfibel; Kirchliche Jugendstunden.
Mitteilung der Erlösungsgnade
Kirche als Gemeinschaft, als Verwalterin der Gnade, der mystische Leib Christi
Das heilige Meßopfer als fortlebendes Opfer Christi
Das heilige Meßopfer als Dankopfer
Das heilige Meßopfer als Mahl
Das Kommen Gottes in der Vormesse, Evangelium
Das heilige Opfer (mehrere Abende)
Die Taufe
Die Firmung
Das Bußsakrament
Das Altarsakrament
Die Ehe
Die Priesterweihe
Die letzte Ölung
Das Gebet (mehrere Abende)
Die drei göttlichen Tugenden, Die vier Kardinaltugenden (mehrere Abende)
Material: Parsch, Meßerklärung; Parsch, Laienrituale; Wintersvyl, Laienliturgik; Guardini, Besinnung vor der hl. Messe (1 und 2); Walter, Sakramente (7 Bücher); Tilmann, Täglich beten, aber wie; Pieper, Über das christliche Menschenbild.
Mit diesem Plan werde ich 1 ½ Jahre auskommen, wenn nicht vorher mich die Preußen holen. Ich habe selbst sehr viel Arbeit mit den Themen, da ich bei manchen Themen bis jetzt noch nicht viel zu sagen weiß. Aber mir steht ja gutes Material zur Verfügung. Du gestattest doch, daß ich Deine Bücher (vor allem Junglas, Die Lehre der Kirche, bis ich dies Buch selbst besitze) benutze. Schonende Behandlung werde ich garantieren.
Hans Schocke ist jetzt hier halberlei Kaplan. In einer Woche muß er wieder zum Seminar das letzte Semester abkloppen. – In Steele steht nun schon eine Woche eine klägliche Kirmes. – Sonst ist hier nicht viel los.
Dir einen frohen Gruß,
Karl Heinz