Familie Kranz an Sohn und Bruder Gisbert, 19. Oktober 1941

E. Steele d. 19.10.41

Lieber Gisbert!

Deinen Brief haben wir erhalten und danken bestens dafür. In der Gruga ist augenblicklich eine Ausstellung von Geschützen, Panzern, Flugzeugen und Uniformen unserer Feinde. Ich gehe heute Nachmittag mit Vater dorthin. Ich will jetzt schließen weil wir gleich zu Mittag essen. Viele Grüße Günter

Mein lieber Gisbert! Eben komme ich mit Günter aus der Wehrmachtsausstellung, die sehr gut war. Nur war es so voll, daß man alles nur oberflächlich sich anschauen konnte. Deinen Artikel für die „Feldpost der Heimat“ werde ich morgen abgeben.

Dir geht es hoffentlich weiter gut. Hier ist auch alles beim Alten.

Hoffentlich hast Du nun inzwischen von uns Post erhalten.

Herzl. Grüße und Gott befohlen

Dein Vater.

Lieber Gisbert!

Heute war ich mit 3 Mann meiner Gruppe in Essen im Kino. Wir hatten uns den Film „Annelie“ angesehen. Ich muß sagen, einen so guten Film sah ich lange nicht. Es wird das Leben einer Frau von Geburt an bis zum Lebensende in Ausschnitten gezeigt. Die Hauptdarstellerin ist Luise Ullrich. In der „Annelie“ wird eine typische deutsche Frau dargestellt. An einer Stelle des Filmes sagt Annelie zu ihrer Schwiegertochter: „Du mußt bedenken, daß das Leid genau so zum Leben gehört wie die Freude“. Eine Wahrheit, die heute häufig genug übersehen wird! – Am letzten Dienstag hielt ich über das erste Thema meines Arbeitsplanes einen Heimabend. Die Kerle waren so prächtig dabei und es machte Ihnen solchen Spaß, daß einer nachher meinte, ob wir nicht zweimal in der Woche Heim-

abend halten könnten. Ich lehnte natürlich ab. Die Begeisterung ist auch kein Strohfeuer, denn die Kerle werden allmählich aufgeschlossen. Sie sind jetzt 16 Jahre alt. Ich rechne natürlich auch mit Rückschlägen, die nirgends ausbleiben. Übrigens hatte ich mich auf den Heimabend einige Stunden vorbereitet! –

In Steele steht die Kirmes nun schon 14 Tage! – Deinen Aufsatz habe ich abgetippt. Er wird morgen zur „Feldpost der Heimat“ geschickt.

Dir einen frohen Gruß,

Karl Heinz

Sonntag, d. 19. Okt. 41.

Mein lieber Gisbert! Hab herzl. Dank für Deinen langen Bericht, letzter Schreibtag, der 13. Okt. abgeschickt am 16. Okt. angekommen gestern Abend, also den 18. Okt. Die Briefe waren also nur 2 Tage unterwegs, gewiß mit Flugzeug befördert. Wir freuten uns sehr und möchten nur wünschen, daß auch unsere Briefe schnellstens mit Flugpost in Deine Hände gelangen würden. Heute sind es schon 8 Wochen her, daß ich in Rheine war, und seitdem hast

Du von uns nichts mehr gehört. Nun vielleicht hast auch Du inzwischen schon Post von uns erhalten. Ich möchte es wünschen. Also bist Du immer noch in Ruhestellung, lb. Gisbert. Wir freuen uns sehr darüber. Und einen Lehrgang hast Du auch schon wieder mitgemacht. Man wird Euch schon in Schwung halten, damit Ihr nicht einrostet. Deine Unterhaltung mit der Institutsdame war interessant, ebenso Deine Schilderungen russischer Verhältnisse. Wir freuen uns, daß Du jeden Sonntag zum hl. Opfer gehen kannst. Ob Du noch lange dieses Glück haben wirst? Du schreibst nichts davon, wie lange Ihr da in Ruhestellung bleibt. Gewiß wißt Ihr das selbst nicht. Auf alle Fälle habt ihr es dort viel besser in allem als in der Front. Es ist ja schade für Dich, daß Du nicht mit jüngeren Kameraden zusammen bist. Na, wir hoffen, daß Du die längste Zeit Schütze gewesen bist u. dann auch nicht so über die Achsel weg angesehen wirst.

 

 

In den nächsten Tagen schicke ich Dir ein Photoheft mit Bildern von uns allen. Ich warte noch auf ein Bild von Vater, das Karlheinz gemacht hat.

Am 2. Okt. waren wir 22 Jahre verheiratet. Am 23. Okt. haben wir Jahresamt für Opa und Oma Kranz. Morgen ist Jahresamt für Herrn Hausmann.