Karl-Heinz Kranz an Bruder Gisbert, 11. März 1942

Essen-Steele, den 11. März 1942

Lieber Gisbert!

Heute erhielten wir Deinen Brief vom 6. d. M. mit Fritz’ Post. Ich danke Dir für die Schecks. Vor ein paar Tagen habe ich noch 6 Scheckserien eingesandt und die Bilder zu den Alben „Tiere unserer Heimat“ und „Deutsche Märchen“ bestellt. Bezüglich der Bücher schrieb ich Dir schon.

Als ich in der vorigen Woche im Wartesaal beim Arzt saß, fand ich in einer Zeitschrift folgendes Gedicht, daß ich mir für Dich abschrieb:

Stimme des Krieges.

Ich nehm’ den Ruhm der Ewigkeit in Tausch,
Wenn ich nur einmal Eu’re Stumpfheit hoch
Gejagt und ihr Euch zitternd eingesteht:
Er hat uns wie ein Sturmwind fortgeweht!
                       Gustav Sack

Gestern abend war der erste Heimabend der Schulentlassenen. Es waren 12 Mann außer ein paar älteren Kerlen da. Es sind durchweg Jungen, mit denen man etwas anfangen kann. Ich hoffe, daß im nächsten Heimabend noch ein paar

Jungen mehr da sind. Die Gruppe führt Bruno Klostermann, doch werde ich mich die erste Zeit mit darum kümmern, damit alles in Schwung kommt.

Ich habe noch eine Bitte an Dich! Ich brauche unbedingt einen Raum, wo ich ungestört arbeiten kann, wo ich mich mit einem Jungen ’mal aussprechen kann. Das Bischen an Freizeit, das mir zur Verfügung steht, muß ich unbedingt ganz ausnutzen. Das kann ich aber nur, wenn ich z. B. beim Lesen schwerer Lektüre ungestört arbeiten kann. Deshalb bitte ich Dich, mir Deine Bude zur Verfügung zu stellen. Du brauchst aber keine Angst zu haben, daß ich mich jeden Abend auf Dein Zimmer verkrieche und mich so zum mustergültigen Sonderling ausbilde. Ich weiß schon Maß zu halten! Schreibe mir Deine Antwort, bitte, in einem Brief, der an mich gerichtet ist, weil ich Mutter mit Deiner Erlaubnis die letzten Waffen aus der Hand schlagen will. Deine Bude bleibt selbstverständlich so, wie sie ist, und ich werde für Ordnung und Sauberkeit Sorge tragen. Darf ich?

Frohen Gruß Karl Heinz