Karl-Heinz Kranz an Bruder Gisbert, 12. April 1942

Essen-Steele, den 12. April 1942

Lieber Gisbert!

Ich danke Dir für Deinen Brief. Er war ja interessant. Das Abschiedswort von Peter Wust kenne und besitze ich. Als ich Deine Sätze von der Unruhe las, dachte ich gleich an Nietsche. Das Schicksal Hölderlins ist mir nicht bekannt. – Ich glaube nicht, daß Du schon in wenigen Wochen in Urlaub kommst, denn die Danziger Dienststelle wird Dich wohl nicht gleich wieder zurückschicken. Ich hörte jetzt von einem Fall, wo ein Soldat, der aus dem Lazarett entlassen wurde, erst noch 1 ½ Monat Dienst machte, ehe er seinen Genesungsurlaub antrat! Naja, wir wollen das beste hoffen.

Was unsere Arbeit in der Pfarre anbelangt, so kann ich Dir mitteilen, das es langsam aber sicher vorwärtsgeht. Die neue Gruppe der Schulentlassenen hat sich nun eingefahren. Meine Hauptarbeit richtet sich nun darauf, die Kerle allmählich so weit zu bringen, daß der Laden auch ohne mich klappt, denn wenn ich eingezogen werde, muß er auch ohne mich weiterlaufen.

Kaplan Hut muß jetzt auch etwas mehr tun. Dafür sorge ich schon! -

Allmählich wird es Frühling. Die Sonne scheint schon ganz nett. Bald brechen die Knospen auf und alles wird wieder grün. Fritz hat gestern unser Boot eingewachst. Auf Pfingsten werden wir wassern.

Frohe Grüße

Karl Heinz

Einen herzlichen Sonntagsgruß von Deinem Bruder

Günter

Am Mittwoch muß ich wieder nach Lüdinghausen fahren. Hoffentlich kommst du in den Pfingstferien mal nach Hause.

Herzlichen Gruß Fritz.

P.S. Was bedeutet das griechische Wort „metanoeite“, das Wust im „Abschiedswort“ gebraucht? K. H.

Lieber Gisbert! Wir freuen uns natürlich, daß Du wiederhergestellt bist, möchten Dir aber wünschen, daß Du nicht so schnell wieder in den Schlamassel brauchst. Hier geht alles beim Alten. Im Geschäft ist noch Betrieb genug.

Herzliche Grüße Dein Vater.