Karl-Heinz Kranz an Bruder Gisbert, 1. November 1942

Allerheiligen. Herford, den 1.XI.1942

Lieber Gisbert!

Ich danke Dir für Deine beiden Briefe. Deinen Rat habe ich bis jetzt befolgt. Krach habe ich freilich noch nicht mit Vorgesetzten gehabt, aber auch noch keinen Kameraden gefunden, wie ich ihn mir wünsche: ein Gleichgesinnten. – Mit den „Granatspuckern“ habe ich nichts zu tun, und daß ich die Lafette des S.M.G. schleppen muß, ist nicht zu befürchten, da in unserem Gewehr noch einige stabilere Kerle sind, als ich stark bin. Ich bin übrigens im 1. Gewehr des 1. Zuges, bei den langen Kerlen. Diese Korporalschaft soll nach alter Sitte die beste werden. – Die Oktober-Nummer der „Feldpost der Heimat“ habe ich sogar dreimal geschickt bekommen. Die „Mitteilungen“ der Penne habe ich noch nicht angefordert, und ich beabsichtige auch nicht, das zu tun. Es ist schon lange her, daß ich auf dem Gymnasium war, und ich kenne die meisten Leute nicht mehr. Übrigens sind Adenauer und Engelsiepen hier in meiner Kompanie. – Den „Reibert“ kann man, soviel ich gehört habe, hier in Herford nicht mehr bekommen. Außerdem werde ich vorläufig noch keine Gelegenheit haben, mich darum zu bemühen. Besorge Du mir bitte einen. Das Geld schicke ich Dir nach Eingang zu. Besten Dank im voraus!

Am Christkönigsfest hatten wir Militärgottesdienst. Die Kirche war übervoll von Soldaten. Trotzdem waren von unserer Kompanie meiner Meinung nach zu wenig Leute mit (ca. 40 von ca. 140 Mann). – Bisher hatte ich noch nicht in die hl. Schrift sehen können. Wie hast Du es eigentlich damit in Deiner Rekrutenzeit gehalten?

Nun habe ich mich hier so ziemlich eingelebt. Der Dienst ist noch auszuhalten, wenn wir auch manchmal ganz nett gejagt werden. Die Verpflegung ist gut. Nur etwas mehr Freizeit könnte man gebrauchen, aber da ist wohl nichts zu machen.

Frohen Gruß Dir,

Dein Karl Heinz