Karl-Heinz Kranz an Bruder Gisbert, 7. Dezember 1942

Frankreich, den 7.XII.42.

Lieber Gisbert!

Da staunst Du, was! Ich bin an der Kanalküste gelandet und liege hier in einem Dorf bei Calais. Die Farbe habe ich auch gewechselt, denn ich bin nun Reiter einer Radfahrabteilung. Dienstag morgen fuhren wir los und kamen nach 65 Stunden am Bestimmungsbahnhof an. Die Gegend hier ist ziemlich arm. Unsere Schwadron ist kürzlich erst neu gebildet worden, und wir mußten uns neu einrichten. Bis zum 14. Januar werden wir ausgebildet und haben dann unsere Rekrutenzeit um. In der Kaserne hatten wir natürlich bessere Unterkunft als hier, aber lieber hier in Frankreich als in Rußland. Sonntag hatten wir Militärgottesdienst. Unser Schwadronsführer, ein Oberleutnant, ging mit den meisten Kirchgängern zur hl Kommunion, nachdem wir Generalabsolution erhalten hatten. – Heute begann der richtige Dienst. Unser Gruppenführer (1 Gruppe = 16 Mann) ist ein Gefreiter. Hier ist überhaupt ein ziemlich großer Führermangel. Beim Ersatzhaufen sind mehr Unteroffiziere als hier.

Bald ist schon Weihnachten. Leider muß ich auf die Weihnachtspakete verzichten, da ja jetzt Sperre ist. Wie ich aber hörte, sollen wir hier zu Weihnachten ganz gut mit Futteralien versorgt werden. Ich will nun schließen, denn es wird Zeit, zu Bett zu gehen.

Dir frohen Gruß,

Dein Karl Heinz