Karl-Heinz Kranz an Bruder Gisbert, 24. Januar 1943
Frankreich, den 24.I.43.
Lieber Gisbert!
Endlich komme ich dazu, Deinen Brief vom 8. d. M. zu beantworten, für den ich herzlich danke. Mein langes Warten ist nicht auf Böswilligkeit, sondern auf Zeitmangel zurückzuführen.
Du schreibst von lausiger Kälte. Ich kann darüber nicht klagen. Wir haben erst einen Tag Schnee und wenige Tage Frost gehabt. Das Wetter ist hier fast immer regnerisch. Wir machen unseren Außendienst immer im dünnen Drillich. – Zu Deiner Dostojewski-Arbeit wünsche ich Dir viel Erfolg.
Ich bin sehr darüber erstaunt, daß das Buch von Laros auf dem Index steht. Mir wurde es seinerzeit von Dotz empfohlen bzw. gezeigt, weshalb ich es mir anschaffte und auch gelesen habe. Es ist für mich ziemlich ausführlich, und ich kann doch nicht so umfangreiche Studien über ein Thema anstellen, weshalb ich es Dir gerne überlasse.
Anbei schicke ich Dir ein kleines Geschenk
zu Deinem Namenstag. Ich schicke es jetzt schon, damit ich es hier nicht unnütz herumliegen habe. Gelegentlich einer Calaisfahrt habe ich das Büchlein in der Frontbuchhandlung erstanden.
Seit einer Woche bin ich nun kein Rekrut mehr. Wir (die ehemaligen Rekruten) sind auf die alten Züge aufgeteilt worden. Der Dienst geht gleich stramm weiter. – Vorgestern hielt der Divisionspfarrer eine Kasernenstunde. Er ist ein prächtiger Münsterländer, Träger des E.K.II., Winterordens und Kriegsverdienstkreuzes mit Schw.
Gestern sah ich den Film: „So ein Früchtchen“. Morgen abend werde ich zum ersten Mal auf Wache ziehen. Sonst im Westen nichts Neues. Der Tommy läßt sich hier häufig blicken und stößt auf wenig Widerstand. Nun Schluß.
Frohe Grüße,
Dein Karl Heinz