Karl-Heinz Kranz an Bruder Gisbert, 4. Februar 1943
Frankreich, den 4.II.43.
Lieber Gisbert!
Ich sitze hier im Wachlokal und finde Zeit, Dir einige Zeilen zu schreiben. Seit Montag sind wir nun hier in der Stadt als Wachschwadron. Unsere Quartiere sind etwas besser als die alten, vor allem haben wir hier fließendes Wasser. Unser Zug liegt in einer alten Kaserne in der Nähe der Kathedrale. Hier ist ein wunderbares Soldatenheim, daß einen Schankraum, einen Eßraum, ein Lesezimmer, ein Schreibzimmer, ein Musikzimmer, ein Wohn- und ein Eßzimmer für Offiziere und als Seltenheit einen Abort mit Wasserspülung umfaßt. Alles ist wie in einem feinen Hotel. Man kann dort prima essen gehen, was ich natürlich so weit wie möglich ausnützen werde. Ich glaube, daß wir hier ein etwas besseres Leben bekommen, als wie wir es bisher hatten, wenn nur alles mit den Wachen richtig klappt (betr. Wachvergehen). Hier ist auch ein Kino für Soldaten, so daß wir etwas Abwechslung geboten bekommen. – Bezüglich der Quartiere: Jetzt geben wir uns auch Mühe, die Stuben prima in Ordnung zu bringen (Du schriebst mir ja damals von Danzig aus darüber). In unserer Bude haben wir die Betten mit braunem Packpapier verkleidet und die Spinde sauber ausgelegt. Auch andere kleine Verschönerungen werden geschaffen. – Jeden dritten Tag steht unser Zug Wache.
Und nun, lieber Gisbert, wünsche ich Dir zu Deinem Geburtstag und zu Deinem Namenstag alles Gute und den Segen des Herrn.
Eine frohen Gruß Dir,
Dein Bruder Karl Heinz
P.S. Hast Du das Büchlein bekommen, das ich Dir schickte?