Karl-Heinz Kranz an Willi Büse, 4. April 1943

Rußland, den 4.IV.43.

Lieber Dotz!

Augenblicklich liegen wir in Ruhe, nachdem wir Tage anstrengenden Einsatzes hier in den Wäldern hinter uns haben. Eine Karte wirst Du schon erhalten haben und wissen, daß ich jetzt in der Ukraine bin.

Ich schreibe Dir wegen einer Sache, auf die mich Erich hinwies: Im Mai soll wieder ein Lichttag sein. Da nun in Steele außer Dir niemand da ist, der sich darum kümmern kann, mußt Du schon die Sache in die Hand nehmen. Ursprünglich war ja der 1. Mai vorgesehen, der in diesem Jahr auf einen Samstag fällt. Wir können also der Zweckmäßigkeit halber auch den 2. Mai nehmen. Ich denke mir den Lichttag so, daß Du an dem Tag alle Jungen zu einer Feierstunde zusammenkommen läßt, während zu gleicher Stunde wir Soldaten an der Front und überall uns im Gebet mit Euch vereinen, gemeinsam

flehen zur Madonna von Altenberg. Du weißt sicher noch, wie wir damals den Lichttag mit Hans Schocke hielten im Anna-Stift, wo auch die Soldaten alle sich in den Ring der Gemeinschaft stellten. Sieh, so etwas – vielleicht durch die äußeren Umstände in schlichterer Form -, dachte ich, müßte auch wieder geschaffen werden in diesem Maienmonat, dem Monat unserer lieben Frau. Dazu ist nicht nur notwendig, eine gute Feierstunde zu bauen, sondern auch, daß alle Soldaten, alle Brüder unserer Gemeinschaft benachrichtigt werden. Das wäre nun Deine Aufgabe. Ich bin überzeugt, daß alle Brüder draußen Dir dankbar wären, wenn Du einen Lichttag uns schenken würdest, damit wieder Licht werde in unserem Innern bei aller Dunkelheit in und um uns.

Und nun frisch ans Werk, lieber Dotz!

Frohen Gruß sendet Dir

Dein Karl Heinz

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