Karl-Heinz Kranz an Bruder Gisbert, 18. April 1943

Rußland, den 18.IV.43.

Palmsonntag

Lieber Gisbert!

Deine Briefe habe ich dankend erhalten. Im Augenblick kann ich freilich nicht helfen, daß der Krieg zu Ende geht, denn wir liegen immer noch in Ruhe. Die Front ist augenblicklich ja auch ziemlich ruhig. Ich habe aber die Hoffnung, daß im Osten die Entscheidung noch in diesem Jahr fällt. – Ich kann mir vorstellen, daß man Wutanfälle bekommt, wenn man sieht, wie der Tommy daheim gewirkt hat. Aber das kriegt er heimgezahlt; darauf freuen sich schon viele Landser! Wir können Gott danken, daß Steele noch immer mit einem blauen Auge abgekommen ist. – Philipp Dürfeld war schon wieder in Urlaub? Mensch, der schafft es auch! – Wie war es in dem Singkreis mit Dotz? War noch ein ziemlich lebendiger Haufen da, oder sieht es kläglich in der Pfarrjugend aus? Ich bekomm nämlich von Steele so gut wie keine Nachricht über die Arbeit. – Ich bin damit einverstanden, daß Du dir das Buch von Jungmann nimmst; später fehlen mir doch die Zeit und die Kenntnisse, um mich in die Liturgie hineinzuknien.

Inzwischen bist Du wohl wieder in Danzig gelandet. Hoffentlich brauchst Du vorläufig nicht zum Einsatz.

Von mir kann ich Dir nicht allzuviel berichten. Wir machen hier zackigen Geländedienst, Exerzieren, Appelle, Straßenbau usw., obwohl wir dicht hinter der H.K.L. liegen und die russischen M.G.s ab und zu ballern hören. Wir werden wohl noch einige Wochen hier liegen bleiben als Divisionsreserve. Man hat sogar Unterführer- und Zugführerlehrgänge begonnen! – Daß ich seit einiger Zeit im Zugtrupp bin, wirst Du wohl schon wissen. – Heute morgen hatten wir unseren Ostergottesdienst in einer Schule. Es war das erste Mal in Rußland, daß ich das hl. Opfer mitfeiern und die hl. Sakramente empfangen durfte. – Seit wann bist Du unter die Dichter gegangen? Doch nichts für ungut: Die Sonette sind fein. Es scheint, als ob du sie zu Hause im Urlaub geschrieben hast, nachdem Du Essen sahst. Stimmt es?

Nachträglich – bis Dich dieser Brief erreicht, ist es bald Pfingsten – wünsche ich Dir ein frohes und gnadenreiches Osterfest.

Heil Dir,

Dein Karl Heinz