Karl-Heinz Kranz an Bruder Gisbert, 26. Juni 1943
Rußland, den 26.VI.43.
Lieber Bruder!
Alte, herrliche Zeiten hast Du in Deinem Brief, für den ich vielmals danke, heraufbeschworen. Wenn wir erst wieder einmal so auf Fahrt gehen könnten wie damals! Ich habe mir schon immer gesagt: Wenn erst mal wieder Frieden ist, kaufe ich mir einen neues Stahlroß, und dann geht’s wieder auf Fahrt durch deutsche Gaue. Ob wir noch mal zusammen über die Landstraße radeln? Ich wünsche es uns beiden von Herzen.
Nachdem wir 5 Tage in Ruhe waren, sind wir wieder im alten Abschnitt eingesetzt. Von „Ruhe“ konnten wir eigentlich nicht reden, denn die Dinge kamen so gedrängt, daß uns keine Zeit zur Besinnung und Ruhe blieb. Wir waren alle froh, daß wir wieder in Stellung kamen, denn hier haben wir mehr Ruhe. Ein Abteilungsappell, eine große Abteilungsprüfung auf Rädern (es waren Herren des Divisionsstabes dabei) und anderes machten uns das Leben unangenehm. Aber auch erfreuliche Dinge geschahen. Wir konnten uns am Bach mal wieder vernünftig baden, unsere Klamotten wurden entlaust, zweimal sahen wir fabelhaftes Varieté, wir hatten Feldgottesdienst und anschließend Meßfeier mit Kommunion, eine Pulle Schnapps und Rauchwaren gab es als Marketenderwaren. – Und nun geht das alte Leben weiter.
Dir, lieber Bruder, einen frohen Gruß,
Dein Karl Heinz