Karl-Heinz Kranz an Bruder Gisbert, 11. Juli 1943

Rußland, den 11.VII.43.

Lieber Gisbert!

Gestern erhielt ich Deinen Brief, für den ich vielmals danke. Nun bist Du also unter die Kraftfahrer gegangen; sieh mal einer kuk! Wenn Du erst mal auf der Kriegsschule bist, soll wohl nichts mehr schief gehen. Ich meine, „Schnelle Truppen“ gäb es als Bezeichnung nicht mehr. Meinetwegen könnt Ihr Euch ja „Feldherrnhalle“ nennen. Unsere Division war, ist und bleibt die gefürchtete Mord- und Branddivision. Um das Erlebnis der Bekenntnisstunde beneide ich Dich.

Du hast wohl schon gehört von den Kämpfen hier am Donez. Wir sind bisher noch nicht im Kampf gewesen. Jetzt liegen wir wieder in Stellung wie vorher, nur mit dem Unterschied, daß wir jetzt den Donez nicht vor, sondern hinter uns haben, und daß etwas mehr Bomben und Granaten hüben und drüben herunterrasseln. Als schönes Gegenstück zur Stalinorgel sind hier Nebelwerfer eingesetzt, deren Musik einem freundlich in den Ohren klingt. Du wirst sie wohl von 41 her kennen.

Nun wünsche ich Dir alles Gute.

Frohen Gruß,

Dein Karl Heinz