Karl-Heinz Kranz an Bruder Gisbert, 16. Juli 1943
Rußland, den 16.VII.43.
Lieber Gisbert!
Ich danke Dir herzlich für Deinen lb. Brief. Inzwischen bin ich schon zweimal verwundet worden. Vor drei Tagen erhielt ich einen leichten Splitter gegen die Oberlippe. Am andern Tag war alles schon heil und sieht man jetzt schon nichts mehr. Aber wichtig fürs Verwundetenabzeichen! Gestern nun bekam ich, fachlich ausgedrückt, einen oberflächlichen Weichteildurchschuß im linken Oberschenkel. Einschuß und Ausschuß liegen dicht beieinander. Schmerzen habe ich keine und laufen kann ich nach wie vor. Trotzdem hat man mich ins Feldlazarett gebracht, wo ich aber nicht länger als 8 Tage mich aufzuhalten gedenke. Ich kann mich nun mal vernünftig ausschlafen, waschen, entlausen und vollfuttern. Dann geht der Krieg weiter. Übrigens bekam ich bei dem Angriff noch einen Schuß durch die gefüllte Patronentasche bis auf die Haut, wo nur eine Druckspur zu sehen ist. Schwein gehabt! Sonst geht es mir sauwohl. Geht es Dir Sau auch wohl?
Für heute sende ich Dir alles Gute wünschend
frohe Grüße,
Dein Karl Heinz
Bezüglich Deiner Dostojewski-Arbeit: Ich hab ja immer gesagt, daß Du nicht politisch einwandfrei bist!