Karl-Heinz Kranz an Bruder Gisbert, 7. Dezember 1943

Vaihingen, den 7.XII.43.

Lieber Gisbert!

Heute morgen erhielt ich Deinen Brief vom 30. v. M., wofür ich vielmals danke.

Du bist gut! Ich soll rasch genesen, aber noch nicht kv. geschrieben werden. Wie stellst Du Dir das vor? Wenn ich genesen bin, werde ich aus dem Lazarett entlassen und bin gleichzeitig kv. Ich kann Dir aber zu Deiner Beruhigung mitteilen, daß ich vor Weihnachten nicht entlassen werde. Meine Wunden sind zwar bald in Ordnung, aber das Gehen will noch gar nicht klappen. Trotzdem werde ich mit 99 %iger Sicherheit Weihnachten 8 Tage in Urlaub fahren, wenn vielleicht auch mit Krücke. Wenn ich dann glücklich genesen bin, bekomme ich nochmal 30 Tage Urlaub (16 Tage Genesungs- und 14 Tage Erholungsurlaub). Vor März werde ich also kaum wieder an der Front sein. – Ich habe gestern mein zweibettiges Zimmer verlassen müssen und

bin nun in einem großen Raum mit 7 Betten. Hier ist es zwar nicht so ruhig, dafür aber auch nicht so einsam. Meine neue Zimmernummer ist 31. – Heute kam der Generalarzt zur Inspektion. Da war vorher das ganze Personal in Aufregung, und mehr als einer hat sich überschlagen.

Bist Du als Pionier noch der Division „Feldherrnhalle“ unterstellt, oder einer anderen, oder bist Du gar Heerespionier? Und Du glaubst, daß Du trotz Deiner „politischen Belastung“ Offizier wirst? Na, ich wünsch Dir alles Gute dazu. Hoffentlich klappt es, daß wir uns im Anfang nächsten Jahres mal treffen. Ich glaube, wir haben uns ziemlich viel zu sagen! Halte die Ohren steif!

Heil und Handschlag,

Dein Karl Heinz

Du kannst mir vorläufig ruhig noch hierher schreiben.