Karl-Heinz Kranz an Bruder Gisbert, 15. Dezember 1943
Vaihingen, den 15.XII.43.
Lieber Gisbert!
Es ist an der Zeit, daß ich Dir mal wieder schreibe. Hoffentlich klappt es, daß Du versetzt wirst, wenn Deine Division zum Osten kommt.
Ich las die Geschichtsromane „Der graue Bischof“ von Stickelberger und „König und Herzog“ von Beumelburg. Kennst Du die Schriftsteller? Wenn ja, bitte ich um Dein Urteil. Ich finde, daß sie zwar eine packende Sprache haben, aber in Bezug auf die kirchlichen Verhältnisse jener Zeit – der erste Roman handelt in der Zeit Konradins, der zweite in der Zeit des Kampfes zwischen Stauffer (Barbarossa) und Welfen (Heinrich d. Löwe) – anstatt objektiv tendenziös sind. – Ich schrieb Dir, glaube ich, schon, daß ich Weihnachten 8 Tage Urlaub bekomme. Der Papierkram ist nun soweit erledigt und soll ich vom 20.-28.XII. fahren. Leider ist aber meine rechte Wunde durch Eiterung noch halb offen, so daß der Stabsarzt sagte, durch die Reise würde sich
die Sache nur sehr verschlimmern. Er könne mir noch nicht versprechen, daß ich fahre. Er hat ja recht. Ich glaube ja kaum noch, daß ich Weihnachten zu Hause bin. Nun, ich werde auch hier ein schönes Fest haben. Ich brauche ja nur an die Kameraden im Osten zu denken, um zufrieden zu sein. Außerdem fühle ich mich hier wirklich wohl. Ich habe bestimmt schon zugenommen. – Wie Mutter schrieb, können Günter und Du das Fest auch nicht zu Hause feiern, und Fritz wird nur wenige Stunden abkommen können.
Ich wünsche Dir zum Fest der Geburt unseres Herrn reiche Gnade. Mögen wir das nächste Fest des Friedens auch im Frieden der Welt feiern.
Dir einen frohen Gruß, lieber Bruder,
Dein Karl Heinz