Karl-Heinz Kranz an Bruder Gisbert, 29. Dezember 1943
Vaihingen, den 29.XII.43.
Lieber Gisbert!
Zunächst danke ich Dir recht herzlich für Deinen lieben Brief vom 13.XII. Es freut mich, daß Du so ausführlich auf meinen Brief eingehst. Zum Thema Faust noch dies: Es ist alles ganz richtig, was Du schreibst. Ich meine nur, daß ein Dichter sich mit einem Bühnenstück an eine breitere Schicht – wenn auch nicht unbedingt an die Masse des Volkes wenden muß, anstatt nur an einige Begnadete, die seinem Geistesflug folgen können. Im übrigen darf ich mir darüber kein Urteil erlauben, weil ich mich noch zu wenig damit befaßt habe. In Essen steht übrigens der „Faust“ I auf dem Spielplan. Wenn es klappt, sehe ich das Werk im nächsten Urlaub. – Du hängst also jetzt an der flandrischen Küste. Hoffentlich verblödest Du nicht im Bunker. Aus
Deiner Versetzung zur mot. Truppe wird wohl so schnell nichts. Melde Dich zu einer A.A., Du kannst ja radfahren (nicht zu mißdeuten!)
Gestern kam ich von meinem Urlaub zurück. Es war wirklich edelknorke. Du kannst Dir ja denken, wie ich zu Hause mit guten Dingen vollgestoppt wurde. Ich traf einige Bekannte im Urlaub, und Hans Eyting, Franzjosef Rhode, Hans Angerhausen und Stoden besuchten mich. Franz Holtmann war auch einen Abend da. – Ich habe mal unser Archiv durchgeschnüffelt, um den Inhalt kennenzulernen. Etliches wäre reif für die Papierpresse. Du hast Dir ja eine Heidenarbeit mit dem Kram gemacht. – Ich las im Urlaub die „Sonette einer Griechin“ zum ersten Mal. Sie gefallen mir sehr gut. – Rutsch gut ins neue Jahr. Frohe Grüße.
In alter Treue,
Dein Karl Heinz