Karl-Heinz Kranz an Bruder Gisbert, 20. Januar 1944

Vaihingen, den 20.I.44.

Lieber Gisbert!

Ich danke Dir vielmals für Deine beiden Briefe vom 13. u. 14. d. M.

Den Aufsatz über unsere Division hatte ich schon vor einiger Zeit gelesen. – Du drehst ja Zicken, mein lieber Freund und Kupferstecher! Na, Hauptsache ist, daß der Kopf noch nicht wackelt. Hoffentlich hast Du Glück, daß Du nun zu einer mot. Einheit nach Italien kommst. Vielleicht kannst Du Dir dann die beiden Balken wiederholen, und Du hast gleichzeitig Deine erforderliche Frontbewährung.

Ich kann Dir leider nichts erfreuliches berichten. Durch eine neue Verfügung gibt es keinen Genesungsurlaub mehr. Ich werde also wahrscheinlich nur 16 Tage Erholungsurlaub bekommen. Na, jedenfalls besser als garnichts! Ich darf nun aufstehen. Das hat zur Folge, daß ich Dienst mit-

machen muß. Augenblicklich ordne ich die Lazarettbücherei neu, denn wir haben über 200 Bücher neu bekommen. – Meine Wunde ist noch offen. Bis zur Entlassung wird es wohl noch Februar. – Hast Du für die 10 Tage „Mein Kampf“ mitbekommen? Oder durftest Du die Bibel mitnehmen? Bei uns darf man wählen!

Ich wünsche Dir alles Gute.

Frohen Gruß,

Dein Karl Heinz