Karl-Heinz Kranz an Bruder Gisbert, 6. Februar 1944
Vaihingen, den 6.II.44
Lieber Gisbert!
Gestern sah ich den Film „Münchhausen“. Er ist ganz eigenartig. Die meisten Leute sehen ihn wohl als einen Märchenfilm für Erwachsene an. Als ich vom Kino nach Hause ging, dachte ich, daß zwischen diesem Film und Peter Schlemihls wundersamer Geschichte eine Verwandtschaft bestehen muß. Sie haben beide das Fantastische, Unwirkliche an sich, daß Du an den Romantikern so schätzest. Deswegen gefällt mir auch der Film. Es ist mehr, als man sonst von Filmen erwartet, mehr als nur ein Abklatsch der Wirklichkeit mit einigen Verzerrungen. Ich glaube aber, viele verstehen ihn deswegen nicht. – Es ist der erste Farbfilm, den ich sah. Ich glaube, daß auf diesem Gebiete die Entwicklung noch lange nicht abgeschlossen ist. Es bedarf heute noch
vieler künstlicher Hilfsmittel, um die Farben hervorzuzaubern.
Wahrscheinlich werde ich morgen zur Entlassungsuntersuchung kommen müssen. Na, dann werde ich bald die Henkersmahlzeit essen und in eine neue Umgebung hineinreisen: nach Paderborn. Auf jeden Fall hoffe ich, Ende des Monats zu Hause zu sein.
Dir einen frohen Gruß in der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen.
Dein Karl Heinz