Karl-Heinz Kranz an Bruder Gisbert, 11. Februar 1944
Vaihingen, den 11.2.44
Lieber Gisbert!
Heute erhielt ich Deinen Brief vom 7. d. M., für den ich recht herzlich danke. Rauchst Du übrigens stark? Wenn ja, muß ich Dich wohl mal ab und zu mit Glimmstengeln versorgen. Schreib mir nur ohne Hemmung, denn ich rauche kein Stück, wie Du weißt. – Zwecks Entlassung bin ich immer noch nicht untersucht worden. Wenn das so weiter geht, werde ich womöglich erst Anfang März daheim sein. Genaues kann ich natürlich nicht berichten, und fragen, wann ich entlassen werde, mag ich auch nicht, sonst kommts auf einmal über Nacht. Ich bin kein Kriegsverlängerungsrat, aber drängen tu ich auch nicht. Hoffentlich kannst Du Dich nach mir richten, denn so einfach ist das Urlaubfahren nach Wunsch nicht. Wenn es gar nicht anders geht, daß wir uns treffen, mußt Du halt einen Zwischenurlaubschein nach Vaihingen nehmen (gleich bei Deiner
Einheit ausstellen lassen!). Ich will aber hoffen, daß wir unser tausendjähriges Steele gemeinsam durchwandern können. – Na, daß ich mit jungen Frauen (besser: Jungfrauen) nicht umginge, stimmt ja nicht ganz. Ein Verächter des weiblichen Geschlechts bin ich jedenfalls nicht. Ich meine nur, daß ich keinen intimen Verhältnisse habe. Ich will nur das „ewig weibliche“ zu ergründen versuchen, um später ein um so sichereres Urteil bei der Wahl der „Einzigen“ fällen zu können. – Trainier schon kräftig für unseren Ringkampf. Wenn ich auch noch nicht ganz auf Vollkraft bin, wirst Du Dir schon noch die Zähne ausbeißen. Iß tüchtig Kommißbrot!
Dir alles Gute,
Dein Karl Heinz