Karl-Heinz Kranz an Bruder Gisbert, 2. März 1944

Neuhaus, den 2.3.44

Lieber Gisbert!

Heute morgen habe ich mich zum Rapport gemeldet. Ich habe nun Genesungs- und Erholungsurlaub bekommen, so daß ich also 30 Tage zu Hause sein kann. Auf meinen Wunsch hin fahre ich erst am 15. d. M., so daß ich Ostern und meinen Geburtstag zu Hause feiern kann, vor allem aber Deine Gegenwart genießen. Richte Dich also möglichst danach. Du bekommst sicher 14+2 Tage Erholungsurlaub. – Beim Rapport habe ich mich als R.O.B. bzw. K.O.B. gemeldet. Zufällig war Lt. Ludwig da, der in Frankreich unseren Rekrutenzug und in Rußland eine zeitlang unsere Schwadron geführt hat. Er schreibt mir ein Führungszeugnis mit Befürwortung der Ernennung zum K.O.B. aus. So wird das Schreiben zur Feldeinheit erspart. Hoffentlich klappt der Laden.

Montag habe ich zu Hause Deine mir gewidmete Arbeit Geist und Blut gelesen. Es ist eine gute Übersicht und Zusammenfassung. Auch die Sprache ist nicht schlecht. Nur viel mir auf, daß Du häufig eine Satzverdrehung gebrauchtest, z. B. „Ich glaube, daß er ging in den Wald“ anstatt „daß er in den Wald ging“. Man soll auch bei gelehrten Dingen natürlich sprechen. – Heute war ich in Paderborn und besuchte Wilhelm Salberg. Demnächst werde ich auch Deine ehemalige Quartierwirtin und Dr. Kampmann besuchen.

Alles Gute und viele Grüße,

Dein Karl Heinz