Karl-Heinz Kranz an Bruder Gisbert, 17. März 1944

Essen-Steele, den 17.3.44.

Häßlicher Zwerg!

Deinen hochtrabenden Brief vom 13.3. habe ich naserümpfend empfangen. Du kannst Dich ja freuen, daß Du in Rußland nicht in meiner Gruppe warst. Blut hättest Du schwitzen müssen für Deine schändlichen Reden, Munikästen schlörren bis zur Bewußtlosigkeit. Komm nur ja bald in Urlaub, damit ich dem lästernden Korporal die Schnuffel poliere!

Gestern sah ich den Film „Burgtheater“. Er war nicht schlecht. Gestern nachmittag bin ich mit Mutter nach Ollendörp tau de Buer Großheimann gegangen. Vorher haben wir uns noch einen Augenblick

bei Fröhlich aufgehalten. So lernte ich die Eltern Deines Freundes kennen und erfuhr Näheres über sein Schicksal. Ein Geistlicher, der Ferdi besuchte, fragte ihn, ob er Theologiestudent sei, worauf er meinte: „Nein, ich nicht, aber mein Freund.“ Das sagt genug.

Dir einen frohen Gruß,

Dein Karl Heinz

Lieber Gisbert! Päckchenmarken erhalten. Hoffentlich kommst Du noch Ende des Monats und hilfst uns, die guten Sachen zu vertilgen. Wir hatten schon zu Deiner Stärkung einen [.?.] hier gekauft und solltest Du damit Deinen Kummer ertränken. Bin am Freitagsputz. Darum herzl. Grüße u. alles Gute! D. Mutter.