Karl-Heinz Kranz an Bruder Gisbert, 19. April 1944
19.4.44
Lieber Gisbert!
Ich kann Dir die erfreuliche Mitteilung machen, daß ich von hier aus wahrscheinlich mindestens 8 Tage Genesungsurlaub bekomme, so daß ich noch zwei Urlaubswochen vor mir habe. Hoffentlich spielst Du mir keinen Streich, indem Du doch nicht kommst. – Es gefällt mir hier ganz gut. Wir haben herrliches Wetter. Am Sonntag war ich in Sonsbeck (eine Stunde von hier) im Kino und sah den Revuefilm: „Maske in Blau“. Zurück spazierten wir durch den Wald. Sonntagmorgen habe ich nach dem Gottesdienst wohl eine Stunde auf der kleinen Orgel gespielt. Es war das erste Mal, daß ich dies Instrument gespielt habe. – Meine Hauptbeschäftigung besteht hier im Schachspielen, das allmählich meine Leidenschaft geworden ist. Kannst Du es auch? Natürlich lese ich auch, besonders mittags, wenn wir von 12-14 Uhr strenge Bettruhe haben. Die Verpflegung ist hier prima. Wie lange ich noch hierbleibe, weiß ich nicht; mein Urin- und Blutbefund ist in Ordnung.
Dir einen frohen Gruß,
Dein Karl Heinz