Karl-Heinz Kranz an Bruder Gisbert, 3. Mai 1944
Essen-Steele, den 3.5.44
Lieber Gisbert!
Für Deinen Brief vom 29. v. M. danke ich Dir. – Ob es mir gelingt, im Oktober wieder in Urlaub zu kommen, ist noch sehr fraglich. Hoffen wir das Beste. – Der Lehrgang hat meines Wissens nach Mitte April begonnen. Was nun mit mir geschieht, kann ich noch nicht sagen. In einigen Tagen weiß ich mehr. Heute nachmittag fahre ich ja nach Paderborn zurück. Die Dienstvorschriften habe ich gefunden und Mutter gebeten, sie mir gegebenenfalls auf meinen Wunsch zuzusenden. – Sonntag hatten wir (Dotz, Franzjosef Rhode, Jupp Hoppen, Hilde Reinecke, Irmgard Vogt, Maria Ruf, Marianne Görres und Wilhelmine Wortberg – teilweise kennst Du sie wohl) einen feinen Singkreis auf die Beine gebracht. Es war ein frisch-fröhliches Frühlingssingen. Alte Volkslieder klangen auf, dazwischen auch mal ein Kanon. Solche frohe Stunden bleiben mir lange in Erinnerung. Es sind Teile einer besseren Welt, die wir uns wieder herbeisehnen.
Mit frohem Gruß,
Dein Karl Heinz
Lieber Gisbert! Gestern sandte ich Dir 50 RM. Die Anfang April gesandten 50 RM hast Du sicher bekommen. Zeitungen kann ich Dir nicht mehr schicken, da nur noch Feldpostsendungen bis 20 Gr. angenommen werden.
Herzl. Grüße, auch von Mutter Dein Vater.