Karl-Heinz Kranz an Bruder Gisbert, 7. Mai 1944

Neuhaus, den 7.5.44

Lieber Gisbert!

Heute morgen konnte ich auf der Schreibstube erfahren, daß ich von unserem Truppenarzt noch bis zum 4. August bedingt kv. geschrieben worden bin. Als ich am Donnerstag vom Truppenarzt hörte, daß ich bed. kv. sei, habe ich nachmittags Vater angerufen, er möge für mich einen Arbeitsurlaubsantrag stellen auf 6-8 Wochen. Wenn Vater nun bei den betreffenden Behörden den Antrag genehmigt bekommt, kann ich in kurzer Zeit zu Hause im Geschäft anfangen zu arbeiten. Feine Masche, was?! Halt mir den Daumen, daß es klappt. – Gestern war ich in der Paderborner Schwimmhalle baden. Ich sah jetzt die Filme „Ungeküßt soll man nicht schlafen gehen“ mit Heinz Rühmann, Theo Lingen und Hans Moser – ein verrücktes Ding – und „Meine vier Jungens“. Letzterer gefiel mir ganz gut, bis auf einige Stellen. Daß man auch in Filmen, die wenigstens noch Inhalt haben und einigermaßen gut sind, Leute in Betten oder sich ankleidende Frauen (mit dem Unterhemd fängt es an) und ähnliche Dinge zeigt, ist traurig. Den Kuß in Großaufnahme hält man schon für etwas Normales, aber daß der Film in die intimsten Bezirke menschlichen Lebens eindringt, zeigt mir zu deutlich die Sucht zur Erotik. – Heute muß ich wieder Brandwache schieben, so daß ich nicht zur hl. Messe gehen konnte.

Dir einen frohen Gruß,

Dein Karl Heinz