Karl-Heinz Kranz an Bruder Gisbert, 21. Mai 1944
Essen-Steele, den 21.5.44
Lieber Gisbert!
Für Deine Briefe vom 22.4. und 16.5. danke ich Dir herzlich.
Über das Thema „Wille und Geist“ werden wir uns vielleicht später einmal unterhalten können. Eine briefliche Diskussion ist in diesem Falle wohl unangebracht.
Echtes Soldatentum gibt es Gott sei Dank noch, aber was Du als „tapfere Taten“ bezeichnest, ist häufig nicht mehr als Draufgängertum, das manchmal durch die eigene Lebensnot bis zum äußersten getrieben wird. Doch will ich Dir gern bestätigen, daß es auch heute noch überall tapfere (im Sinne Piepers) Krieger gibt.
Ich glaube kaum, daß Du mit Deiner Meldung zur Südfront Glück hast, aber
die Daumen halte ich Dir. – Deine Grüße werde ich gelegentlich ausrichten. Franzjosef R. ist jetzt hier und hat seinen Gestellungsbefehl für kommenden Donnerstag zur Luftwaffe. Philipp D. hat im Osten seine fünfte Verwundung bekommen; wie ich Dir schon schrieb. Ich habe in letzter Zeit nichts mehr von ihm gehört. Es muß sehr schlecht um ihn stehen. – Willi Levenig ist jetzt in Urlaub gewesen. – Wir arbeiten wieder an einem Rundbrief. Mit unserem Kreis werden wir auf Pfingsten nach Maria im Maien (Kettwig) gehen. Schade daß Du nicht dabei sein kannst. Ich habe in dieser Gemeinschaft schon manche schöne Stunden verbracht. – Heute abend ist im Pott eine Feierstunde für die Jugend.
Möge Dir der Hl. Geist am Pfingstfest reiche Kraft schenken.
Frohe Grüße von Vater und Mutter und Deinem Bruder
Karl Heinz