Karl-Heinz Kranz an Bruder Gisbert, 25. Juli 1944
Essen-Steele, den 25.7.44
Lieber Gisbert!
Vater und ich haben das „Paradies der Junggesellen“ verwirklicht. Mutter ist ja Samstagmorgen mit Fritz nach Wakenfeld gefahren. Eine Stunde später saß ich im Zug, fahrtenmäßig mit kurzer Hose, Affen usw., um das Wochenende in Marienthal bei Wesel zu verbringen. Mit mir fuhren noch einige Leute aus unserem Kreis. Ich nehme an, daß Du schon mal von der Bedeutung M.’s gehört hast, von seiner Kunst und seinem ganzen Wesen. Ich kann Dir das aus bestimmten Gründen nicht alle schreiben. Aber ich kann Dir sagen, daß es für mich und die anderen ein großes Erlebnis war. Ich hoffe, daß Du auch einmal die Gelegenheit haben wirst, M. aufzusuchen. Vielleicht können wir uns später einmal darüber unterhalten.
Inzwischen habe ich die Anschrift von Kpl. Röns: 10 Annaberg i. Erzgebirge, Mariengasse 11. – Frau Böhmer war gestern hier, um sich nach Dir zu erkundigen. August B. hatte schon Sorge, Du seiest im Einsatz. Seit Deiner Versetzung nach Frankreich schriebst Du ihm nicht mehr. Hole das Versäumte nach, denn er freut sich über jeden Brief.
Unsere Dorfplanung findet überall großes Echo. Ich bin gespannt auf den Nachtrag, der noch herauskommt.
Wir warten auf Post von Dir. Sei nicht so schreibfaul, wo Du doch jetzt Zeit genug hast.
Vater läßt herzlich grüßen.
Frohen Gruß Dir,
Dein Karl Heinz