Karl-Heinz Kranz an Bruder Gisbert, 27. Juli 1944
Essen-Steele, den 27.7.44
Lieber Gisbert!
Du hast ja mal wieder das große Los gezogen! Jetzt kann ich Dich beneiden, denn mir stehen Flachrennen in Aussicht. – Für Deinen Brief danke ich Dir herzlich. Leider bin ich doch nicht mehr dazu gekommen, den „Synnöve Solbakken“ und einiges andere zu lesen. Aber ich habe auch so viel Freude gehabt. Gestern abend noch, als ich mit sieben Mädeln (Die gute Sieben) und Dotz meinen Abschied feierte und Anni Albers’ Namenstag. Es waren frohe Stunden. Ein wenig Musik (Blockflötenduette), ein wenig Problemewälzen und einen guten Schuß fröhlicher Stimmung.
Nun sind meine Stunden gezählt. Der Urlaub war so voll von schönen Dingen, die ich Dir gerne alle mitteilen möchte,
doch das Fleisch ist schwach, meine Feder müde. Ich habe Wesentliches tun und erkennen dürfen, und ich bin einfach glücklich ob so vielem Guten, das mir geschah.
Die Zeit eilt und ich muß schließen.
Mit recht frohen Grüßen,
Dein Karl Heinz
Lieber Gisbert! Du fühlst Dich dort wohl als Kurgast. Na, ich gönn es Dir. Ich muß jetzt immer an die frohen Wochen denken, die ich dort verlebte. Da Karlheinz morgen abreist, gibt es für mich wieder mehr zu tun.
Mein UK. Antrag ist genehmigt.
Lebe wohl und sei herzlichst gegrüßt von Deinem Vater.