Karl-Heinz Kranz an Bruder Gisbert, 4. August 1944

Neuhaus, den 4.8.44

Lieber Gisbert!

Beiliegenden Brief bekam ich zurück. Vermerk: Zurück. Neue Anschrift abwarten. Wir dachten schon, Du seiest jetzt im Einsatz, bis Dein Brief vom 26.7. kam, dessen Abschrift Vater mir schickte.

Zu meinem Brief vom 9.7.: Du kannst Dich mit Hugo Kreutzer in die vorhandene Sekretärin (Edith Löschinger) teilen. Vielleicht bist Du damit zufrieden. Empfehlen kann ich sie Dir! – Daß ich meine Namenskürzung doch nicht durchsetzen kann, schrieb ich Dir ja schon.

Du hast ja mächtig Schwein, daß Du allein auf einer Bude hausen kannst. Zu Deinem Roman wünsche ich Dir genügend Zeit und Sprit und guten Erfolg. – Du hast komische Ansichten bezüglich des neuen Grußes. Mit dem heutigen Sinn gefällt er Dir? Mir ist es gleich, wie ich den Arm hochhebe; grüßen muß ich nach wie vor!

Hier habe ich schon mit dem Kaplan und der Pfarrjugend der Neuhäuser Pfarre Verbindung aufgenommen. Sogar einen Heimabend hielt ich schon den Jungen. – In der Genesendenschwadron hat man ja ziemlich viel Freizeit. Der Dienst besteht nur aus Arbeitsdienst und Wache. Jetzt habe ich z. B. G.v.D. Der neue Erlaß Himmlers wird uns jetzt wohl die Freizeit beschneiden, doch das ist noch nicht zu übersehen. Übrigens werde ich vielleicht schon morgen zur Marschschwadron versetzt. Das klingt nach Abstellung, doch ich habe nichts zu befürchten, da ich nicht weiterversetzt werden darf. Ich habe mich ja als R.O.B. gemeldet, und die Sache läuft jetzt noch (durch Verbummelung). Ich werde also von der Marschschwadron nur zu einem Lehrgang versetzt. Schreibe mir also vorläufig an folgende Anschrift: Gefr. K. H. K., Marschschwadron A.E.A.15 Neuhaus/Paderborn 21. Jetzt muß ich natürlich wieder zackig Dienst machen, aber das kann ja einen Landser nicht erschüttern.

Es grüßt Dich froh,

Dein Karl Heinz