Karl-Heinz Kranz an Bruder Gisbert, 10. August 1944

Neuhaus, den 10.8.44

Lieber Gisbert!

Für Deinen Brief vom 5. d. M. danke ich Dir herzlich.

Du hast Glück gehabt, daß ich nur innerhalb der Kaserne versetzt worden bin, sonst würde Dein Brief zurückgegangen sein. Nachdem ich wieder kv. geschrieben worden bin, kam ich zur Marsch-Schwadron. Hier habe ich bisher noch keinen Dienst mitgemacht, da ich mit ein paar Leuten auf einem Arbeitskommando in der Kaserne arbeite. Bisher haben wir Kohlen verlagert, - eine dreckige, nicht gerade leichte Arbeit. Aber wir bestimmen unser Arbeitstempo selbst und machen auch zeitig Feierabend. So kam ich an der gestrigen Nachtübung vorbei. Geländedienst und Ähnliches kann ich immer noch machen!

Du gehst auf meine Briefe kaum ein! Kennst Du Marienthal bzw. seine Kunst und sein Wesen? – Ich habe schon viel hier in der Kaserne geschrieben, besonders auch an die Leute unseres Kreises, und ich erhielt auch schon davon Post. Wenn Du mal einen Brief losschicken würdest, bekommst Du sicher auch Antwort und somit wieder Verbindung.

Du scheinst ja ein feines Leben zu haben. Sogar Nachtfahrten machst Du. Wann kommen wir beide wohl dazu, wieder einmal Stahlrösser zu besteigen und die deutschen Gaue zu durchstreifen? Weißt Du noch, wie wir durch die Eifel fuhren? Weißt Du noch....?

Alte Fahrtenerinnerungen steigen auf, doch ich darf mich nicht daran berauschen, sonst ist das Erwachen in der grauen Wirklichkeit zu hart.

Hier in der Marsch-Schwadron warte ich auf meine Kommandierung zu einem Lehrgang. Ich warte noch auf meine Ernennung zum R.O.B. Wie lange das dauert, weiß ich nicht.

Sei mir nicht böse, wenn ich Dir heute keinen gescheiteren Brief schreibe. Vielleicht demnächst!

Es grüßt Dich froh,

Dein Karl Heinz