Karl-Heinz Kranz an Bruder Gisbert, 25. September 1944
Wilhelmsberg, den 25.9.44.
Lieber Bruder!
Immer noch haben wir keine Nachricht von Dir. Wer weiß, unter welchen Verhältnissen Du lebst, ob Dich dieser Brief überhaupt erreicht? Ich denke oft an Dich und bete zu Gott, er möge Dir Kraft schenken, alles, auch das Schwerste zu ertragen.
Eigentlich müßte ich Dir, lieber Gisbert, recht viel schreiben, damit ich Dir vielleicht ein wenig Lichtblick zu schenken versuche. Aber nicht nur die Zeit ist knapp, sondern ich will Dir nicht zu
viel mit persönlichen Dingen die Ohren vollhängen, die Dich nicht besonders interessieren. Und zu einem sehr geistreichen Brief kann ich mich jetzt kaum aufraffen.
In kurzer Zeit werde ich zur Inf.-Kriegsschule kommen. Genaues weiß ich freilich immer noch nicht. Ob es mir noch gelingt, zum 2.10. nach Hause zu kommen, ist sehr fraglich. Wir machen hier im Lehrgang einen mittelmäßig strengen Dienst. Sonst bin ich einigermaßen zufrieden.
Dir aber wünsche ich viel Soldatenglück und grüße Dich mit kräftigem Handschlag,
Dein Karl