Karl-Heinz Kranz an Bruder Gisbert, 1. November 1944
Wilhelmsberg, den 1.11.44
Allerheiligen
Mein lieber Bruder!
Gestern abend kam ich aus dem Einsatzurlaub zurück. Beiliegende Briefe, die ich noch an Deine alte Anschrift sandte, bekam ich inzwischen zurück. Heute morgen ging ich zum Rapport, um einen Sonderurlaub für Bombenschaden zu erwirken. Auf Grund einer polizeilichen Bescheinigung für Bombenschaden B habe ich noch 5 Tage Sonderurlaub bekommen, die ich morgen nach Dienst antreten werde. Bei einem Angriff auf Essen am 23.10. haben wir in Steele ja auch ’was abbekommen. Bei uns zu Hause ist es aber nicht wild gewesen. Das Dach und die Fenster waren beschädigt. Vater konnte erst keine Dachpfannen bekommen. Nun hat er genug, und ich werde dann
mein Werk vollenden, das ich im letzten Urlaub begonnen hatte, nämlich das Dach zudecken. – Nun muß ich meinem Soldbuch eine neue Seite für Urlaubseintragungen einkleben lassen.
Wie mag es Dir nur jetzt gehen? Nun sind es schon über 6 Wochen, daß wir keine Post von Dir haben. Sicherlich liegst Du nun in schweren Kämpfen. Ich gedenke Deiner oft im Gebet und in der hl. Messe.
Unsere Versetzung zur Kriegsschule zieht sich immer weiter hinaus. Jetzt sollen wir – so lautet die neueste Parole – erst im Januar zum Lehrgang kommen. Na, das Wundern habe ich mir ja schon abgewöhnt.
Ich wünsche Dir alles Gute.
Heil und Handschlag,
Dein Karl