Günter Kranz an Bruder Gisbert, 8. Oktober 1942
Lieber Gisbert!
Da ich diese Woche Marken übrig habe schicke ich Dir noch 80 gr. Fettmarken, damit Du Dir was zugute tun kannst. Nun muß Karlheinz so schnell fort. Morgen arbeitet er den letzten Tag bei Sch[..]ers. Wir sind gespannt, wo er hinkommt. Und wo wird Günter landen? Er hat alle Prüfungen gut bestanden. Wie still wird es werden diesen Winter. Und Du kommst also hoffentlich nächste Woche. Ich schreibe diese wenigen Zeilen mit vielen Unterbrechungen. Die Gesellschaft ist so übermütig hier.
Nächstens mal mehr.
In Liebe grüßt Dich
Deine Mutter.
Ist das Obstpaket gut gelandet?
Lieber Gisbert!
„Es klingt wie eine Sage: es sind nur noch 5 Tage“ bis zu meiner Einberufung. Ich bin gespannt wie ein Flitzebogen, was nun kommen wird. Ich muß mich auf das Tollste gefaßt machen. Na ja, ich denke nur: Mir kann keener, ooch nich eener, an de Wimpern klimpern!
Frohen Gruß
Karl Heinz
Essen-Steele d. 8.10.42
Lieber Gisbert!
Gestern war ich in Münster. Tolle Sache! Um 1 Uhr lief unser Zug in M. ein. 20 Minuten Straßenbahnfahrt dann eine Stunde Fußmarsch in der Mittagshitze bis zur Kaserne. Dort angekommen gingen wir in den uns angewiesenen
Raum. Dort durften wir eine gute Stunde warten bis ein Unteroffizier kam und uns Verhaltungmaßregelung erzählte. Wir mußten vom Unteroffizier an jeden Heini grüßen. Mantel und Jacke mußten draußen und in den Fluren zugeknöpft sein. Dann konnten wir Formulare ausfüllen und wieder warten warten! Das Sprichwort ist schon richtig: 9/10 seines Lebens wartet der Soldat vergebens. Nach einer geraumen Zeit wurden wir zur Untersuchung ran geholt. Genau dasselbe wie bei der Musterung. Danach wieder eine Stunde warten. Gegen 6 Uhr erhielten wir Verpflegung. Ein Komisbrot mit 3 Mann jeder ein Schmelzkäse Butter. Eine Dose Honig, und 2
Dosen Fischpaste für 10 Mann und eine Kanne Kaffee. Diese Verpflegung war für abends und morgens. Dann erhielten wir 2 Decken zum schlafen. Gegen 8 Uhr gingen wir zur Kantine. Um 9 Uhr war für uns schon Zapfenstreich. Bis 10 Uhr war aber der UVD Reil noch nicht dagewesen um die Stube abzunehmen. Kurz nach 10 Uhr kam Alarm. Wir konnten uns wieder anziehen und mit unseren Decken in den Keller hitschen. 2 Stunden dauerte der Alarm. Wir haben gefroren wie ein Schneider. Ebenfalls in unseren „Betten“. Betten kann man diese Karre überhaupt nicht nennen. Man liegt mit dem Asch höher als mit dem Kopf und den
Beinen. Der Strohsack war ganz kaput und kam das Stroh an den Seiten raus. Unter dem Strohsack war ein Brettergestell. Also kannst Du Dir denken wie hart wir lagen. Dazu die 2 dünnen Decken. Wir haben die ganze Nacht kein Auge zugemacht so haben wir gefroren. Andern morgen konnten wir um ½ 7 Uhr aufstehen. Anschließend Frühstück. Dann durften wir wieder 1 ½ Stunden warten. Dann wurden wir wieder untersucht. Gegen mittag wurden wir noch mal untersucht. Dann konnten wir essen gehen. Es gab Kartoffel, Nudeln und Gulasch. Es schmeckte ganz gut. Nach dem Essen gingen wir noch 1 Stunde in die Kantine.
Als wir wieder 1 Stunde gewartet hatten wurde ich zum Unteroffizier gerufen. „Kranz Sie haben sich doch freiwillig zum Fensterputzen gemeldet. Ich hielt meine Schnauze. Tja, holen sie sich mal einen Eimer und putzen sie mal im Aufenthaltsraum die Fenster. Die anderen konnten den Boden fegen und Stühle abwaschen. Schließlich war es 5 Uhr und wir konnten dann Ziehen. Um ½ 10 Uhr war ich glücklich zu Hause. –
Die Unteroffiziere schiessen dich vor den Koffer wo sie nur konnten. „Sie Schloot Sie, nehmen Sie den Hut ab und dann wurde man gejagt. Mir hat die Sache soweit ganz nett gefallen. (Außer Nachts) Ich habe die Prüfung bestanden. Ich komme entweder als Flugzeugführer oder als Fallschirmjäger fort. Für heute Schluß. Gruß Günter