Günter Kranz an seine Familie, 27. September 1944
O. U. 27.9.44
Meine Lieben!
Zu Euerer bevorstehenden Silbernen Hochzeit wünsche ich Euch von Herzen alles Gute. Es ist mir leider nicht vergönnt, an Euerem Ehrentag unter Euch zu weilen. Meine Gedanken werden aber an diesem Tag bei Euch sein.
Wir wollen hoffen, daß wir Euere Goldene Hochzeit zusammen feiern können. –
Gestern abend erhielt ich ein Telegramm, worin mir mitgeteilt wurde, daß Ihr bombengeschädigt seid. Ich konnte es erst überhaupt nicht glauben. Hoffentlich ist nicht allzuviel zerstört worden. Voraussichtlich werde ich in 8 Tagen versetzt. Habe schon versucht Bombenurlaub zu bekommen, aber es läßt sich nicht machen da ich gerade in der End-Ausbildung bin.
Ihr werdet nun sicher auch ein trauriges Fest haben, vielleicht sogar bei fremden Leuten.
Wir wollen aber trotzdem den Kopf nicht hängen lassen und auf Gott vertraun.
Den Brief von Vater vom 19.9. habe ich erhalten und danke ich herzlich dafür.
Für heute will ich nun schließen habe sehr wenig Zeit.
Es grüßt Euch recht herzlich Euer
Günter.
Hoffentlich habt Ihr nichts mitbekommen beim Angriff. Habt Ihr von Gisbert noch nichts gehört?