Fritz Kranz an Bruder Gisbert, 28. März 1941
Lieber Gisbert!
Du wirst staunen, daß ich auf solchen kleinen Blättern schreibe. Mein Briefpapier ist zu Ende und was ich noch habe ist Kriegsware; da kann man nur mit Bleistift drauf schreiben. Am vorigen Sonntag sind wir in Seppenrade einem Nachbardorf gewesen und wollten etwas kegeln. Aber im ganzen Dorf gab es nur eine Kegelbahn welche besetzt war. Wir hatten zwei Koffer mit Kuchen mitgenommen, die ich mit noch einem Schüler auf Fahrrädern nach der
Wirtschaft bringen mußten. Wir bekamen alle Gläser mit Regina und den Kuchen dabei. Nachher sind wir durch die „Seppenrader Schweiz“ gegangen. Ich bin natürlich gefahren. Das war eine Geländefahrt. Da ging es durch Wälder und Felder durch Dreck und Matsche. Das schönste war, ich hatte noch hinten auf meinem Gepäckträger einen leeren Koffer drauf, der mir sehr hinderlich war. Heinz Hölter geht am 29.3.41. also morgen ab. Er geht nach Hause und muß dort helfen.
Vorige Tage hat es hier sehr geschneit. Es gehen hier Ostern viele vom Kasten ab. Am 9.4.41. beginnen die Ferien; sie dauern bis zum 17.4.41. Also 8 Tage. Hier bekommt man nirgendwo Luftgewehrkugeln. Sie sind sehr rah. In Latein mache ich jetzt immer mehr Fortschritte. Herr Dr. Hürfeld hält hier jeden Sonntag Abend eine Fastenpredigt. Der kann predigen. Da kommt kein Kaplan und auch kein Pastor aus Lüdinghausen mit. Gefällt es Dir dort in der Infantrie gut?
Wir bekommen Ostern wieder Zeugnisse. Heute haben wir ein 3 Stunden langen Aufsatz geschrieben. Das waren Themen. Ich will Dir mal eins sagen: Wie werden heute im Kriege Rüstungsanlagen und Fabriken vor Fliegerangriffen geschützt. Oder, Welche Eigenschaften muß ein Kampflieger haben. Oder. Warum wandern wir. Das sind Themen.
Viele Grüße
Fritz