Fritz Kranz an Bruder Gisbert, Juni 1941 (?)

Lieber Gisbert!

Ich habe Deinen Brief erhalten. Ich danke vielmals dafür. Mutter kommt am 1 Juli mit Frau Stricker für 8-14 Tage nach Lüdinghausen. Sie schlafen im Haus Schreg wo ich früher gewesen bin und sie essen bei uns im Schloß Westerholt. Das ist ja jetzt was, das wir auch mit Rußland Krieg haben. Meine Kameraden haben mir erzählt, daß die Russen 160 Divisionen an der Grenze stehen haben. Rußland hat auch die besten amerikanischen Bombenflugzeuge. Die bekommen ungefähr 800 klm. in der Stunde drauf. Die Fernkampfbomber können 9000 Kilometer weit fliegen. Hier ist in der Woche 2 Mal Fliegeralarm gewesen. Hier in Seppenrade, zwei Kilometer

von Lüdinghausen sind in einer Nacht 24 Bomben gefallen. Im ganzen Kreise Lüdinghausen sind 165 Bomben gefallen. In Duißburg sind ungefähr 1000 Brandbomben gefallen. In Köln ist eine Bombe mitten im Bahnhof in einen Fahrkartenschalter hineingefallen. Wir gehen jetzt immer in den Dortmunder-Ems-Kanal schwimmen, weil wir nur 2 mal in die Badeanstalt gehen können in der Woche. Da kommen immer die Schlepper, wo wir hinschwimmen und mitfahren. Wenn von der entgegengesetzten Seite ein Schlepper kommt, schwimmen wir nach dahin und fahren wieder zurück. Das ist immer knoffte. Ich muß jetzt nur noch einen anständigen Köpper lernen, dann kann ich gut schwimmen. Viele Grüße

Fritz