Fritz Kranz an Bruder Gisbert, 15. November 1941

15.11.41.

Lieber Gisbert!

Ich habe Deinen Brief erhalten. Ich danke vielmals dafür. Ich habe mich sehr über die 2 Briefmarken gefreut. Die hat hier noch keiner. Günter will mich mit einem alten Klassenkamerad von ihm, hier in Lüdinghausen besuchen. Wahrscheinlich in 2 Wochen. Hast Du den Brief mit der Kunstkarte bekommen. Die Karte hat mir Mutter von Kevelar mitgebracht, mit einem feinen Rahmen. Das ist aber tofte, daß ihr jetzt in Ruhe seid. Und wie Du mir geschrieben hast, habt ihr ja einen feinen Bau. Ich kann mir schon denken in welcher Stadt ihr wohl seid. In Saporoschje. Vielleicht auch nicht. Ich bekomme am 20 Dezember Weihnachtsferien. Schade, daß Du nicht zu Hause mitfeiern kannst. Ich möchte Du wärst noch so jung wie

ich, dann könnten wir wenigstens zusammen Weihnachten feiern. Wenn einer Weihnachten in der Familie fehlt, dann ist es nicht mehr so schön, als wenn alle zusammen wären. Aber, daß kann ja einen Seemann nicht erschüttern. Ich wünsche mir zu Weihnachten ein Schott, eine Schultasche, ein Fülleretui und vielleicht einen gläsernen Motor. Hoffentlich kann man den gläs. Motor in Essen noch bekommen. Das ist ein Motor in verkleinerten Maßstab in Glas. Oben aus dem Glas sind die Hebel die man bedienen muß. Der Motor tut es aber. Wenn ich den Motor nicht bekommen kann, wünsche ich mir ein paar anständige Bücher. – Es hat hier in der letzten Zeit geschneit. Jetzt ist der Schnee aber ganz weg.

Herzlichen Gruß

Fritz