Fritz Kranz an Bruder Gisbert, 30. November 1941

Liebe Eltern!

Ich danke Euch herzlich für die Leckereien. Da hat mir Günter aber viel mitgebracht. Ich habe mit Günter den Sonntag gut verbracht. Soviel Plätzchen, Bonbons, Stullen und die feine Marmelade, das war ja das reinste Nikolauspaket. In zwölf Tagen ist schon Nikolaus. Das konnte ich schon vorher sagen, daß es diesesmal ein Kriegsweihnachten gibt. Ich werde mir dann einen Pullover zu Weihnachten wünschen. Hoffentlich kann Mutter den noch besorgen. Das muß aber einer sein, der oben zu ist. Mutter fragte wegen der Impfung. Wir mußten morgens

zur Volkschule gehen, daß aber so schnell ging, daß wir nach 10 Minuten schon wieder draußen waren. Mein Arm war etwas angeschwollen. Aber das war halb so schlimm. Ich merke jetzt fast garnichts mehr davon. Die Kleiderkarte habe ich noch nicht bekommen. Heute, am Montag sind schon 10-20 Stück verteilt worden. Ich war nicht dabei. Ich werde meine Kleiderkarte, und die werde ich bestimmt in den nächsten Tagen bekommen, natürlich sofort nach Hause schicken. Von Gisbert habe ich in der letzten Zeit keine Post mehr bekommen. Mutter teilte nur mit, daß Gisbert geschrieben habe. Was schreibt er denn? Ich werde Euch

die zwei Briefmarken aus Rußland, die Gisbert mir geschickt hat, mitschicken. Karl-Heinz oder Günter können die beiden Marken ja in den Briefmarkenkasten hineinlegen. Ich möchte mir außerdem zu Weihnachten noch ein paar Bücher wünschen. Aber damit ihr nicht von Laden zu Laden laufen braucht, schickt mir bitte etwas Geld, mit welchem ich hier einige Bücher kaufen kann. Ich sah vorige Tage in einer Buchhandlung sehr schöne Bücher, die ich gerne haben möchte. Auch kann ich mir dann das Füllhalteretui kaufen, was hier noch zu haben ist. Also, wenn ihr mir Geld schicken wollt, dann tut es bitte sofort, sonst kann ich die Sachen nicht mehr bekommen. Ich habe von Klaus schon 2 mal Post bekommen. Wo ist der Klaus eigent-

lich. In Norwegen? Er hat mir geschrieben, er dürfte es nicht sagen. Er ist augenblicklich in Ruhe und quartiert in einer Holzbaracke. Er hat mir geschrieben, daß er 15 Monate nicht mehr zu Hause gewesen wäre. –

Kurt hat mir in der letzten Zeit überhaupt nicht mehr geschrieben, trotzdem ich ihm schon oft geschrieben habe. Was macht denn Karl-Heinz denn noch. Der hätte eigentlich auch mal am Sonntag nach hier hin kommen können. Aber ich glaube der hat keine Zeit. –

Also, ich danke nochmals herzlich für die Leckersachen und seid herzlich gegrüßt von

Fritz