Fritz Kranz an seine Eltern, Dezember 1941 (?)
Liebe Eltern!
Ich habe Euer liebes Paket erhalten. Ich danke vielmals dafür. Ich habe erst deshalb so spät diesen Brief abgeschickt, weil ich solange gewartet habe, bis ich meine Kleiderkarte bekommen habe. Leider ist dieses nicht der Fall. Ich bekomme sie erst am Mittwoch. Das war aber viel was ihr mir da geschickt habt. Die selbstgebacken Plätzchen schmecken ja herrlich. Die Nikolausfeier war am Sonntag. Jeder hat einen Teller voll
Spekulatius und 2 Brötchen bekommen. Und dann noch so Sachen. Die Nikolausfeier war dieses Jahr nicht so schön wie voriges Jahr. Es gab hier eine Schlägerei, weil sich manche nicht schlagen ließen. –
Wir haben hier lange keinen Fliegeralarm gehabt. Wir gehen am Donnerstag in eine Kunstausstellung in Dortmund. Wir sind schon alle dazu eingeteilt worden. Wir fahren mit unserem Lehrer dorthin. Wir bleiben einen halben Tag dort. Ich muß aber unbedingt Geld dazu
haben. Schickt mir bitte Geld für die Fahrt hin und zurück nach Dortmund. Das kostet 2,80 hin und zurück. Dann trinken wir dort noch Kaffe. Und danach den Eintritt in die Kunstausstellung. Ich muß das Geld aber wenigstens am Mittwoch Abend haben. Am Donnerstag Morgen essen wir hier um 11 Uhr schon. Und mit der Mittagspost geht das nicht, dann bin ich schon weg. Und das Geld von den 5 RM. bei Herrn Goebels da hab ich nicht mehr viel von. Also, wenn ihr den Brief bekommt, dann schickt mir
bitte das Geld sofort nach hier hin. –
Was macht denn der Günter und Karl-Heinz noch.
Heute am Fest der Unbefleckten Empfängnis haben wir am Nachmittag Kuchen bekommen. Also, wenn ich die Kleiderkarte am Mittwoch bekomme, werde ich sie sofort schicken. Ich habe schon am Büro gewettert, warum ich die Kleiderkarte nicht bekäme.
Viele Grüße
Fritz