Fritz Kranz an Bruder Gisbert, Januar 1942 (?)
Lieber Gisbert!
Ich habe Deine Karte erhalten. Wie ich sehe, bist Du jetzt in Neuruppin, ungefähr bei Berlin. Hoffentlich kommst Du noch näher an die Heimat heran. Jetzt hast Du meine Briefe, die ich nach Lemberg geschrieben habe auch nicht bekommen. Hoffentlich bekommst Du jetzt meinen Brief. Du schriebst mir in einem Brief von Lemberg, ich möchte Dir mal alles schreiben aus den Ferien. Weihnachten ist gut vorbeigegangen. Wir haben aber schwer gemerkt, daß Du nicht dabei warst. Hoffentlich bist Du nächstes Jahr Weihnachten zu Hause. Ich habe viele Sachen zu Weihnachten bekommen, wie z. B. ein dickes Buch „Heldensagen“ dann einen Baukasten, woraus ich eine
schwarzwälder Uhr machen kann. Ich habe sie in den Ferien schon zusammenmontiert. Sie läuft wie ein Döppken. Dann habe ich einen Adler Kallender von Tante Nettchen geschickt bekommen. Von Tante Aloysia habe ich auch einen Schlips bekommen. Wir nennen jetzt Tante Aloysia immer „Danke-Tante“ weil sie für alles dankt. Mittags bei Tisch, wenn Mutter ihr was reichen will, dann sagt sie immer: „Danke, ich hab’ schon.“ Darum nennen wir sie jetzt „Danke-Tante“. Dann habe ich noch zu Weihnachten ein paar Strümpfe, 2 Hemde, ein Schlips, 1 Fülleretui und noch so andere Sachen, die mir im Augenblick nicht einfallen. Die Uhr steht jetzt im Wohnzimmer am Ofen und Mutter hat immer Spaß
wenn sie die Uhr aufziehen darf.
In den Ferien war nicht allzuviel los. Es hat bloß 2 oder 3 mal geschneit. Einmal habe ich den ganzen Tag schlitten gefahren. Ich war auch in Essen auf der Eisbahn und habe Schlittschuh gefahren. Mit Karl-Heinz bin ich auch eines Mittags, während der Mittagspause in eine Badeanstalt gewesen.
Günter habe ich auch mal in Gelsenkirchen besucht mit dem Fahrrad.
Sylvester haben wir wie üblig bis 12 Uhr gefeiert. Es war sehr schön. Günter hat zu Weihnachten einen neuen Anzug bekommen. Du hast auch viele schöne Bücher bekommen. Wie ich von Mutter hörte hast Du jetzt 3 Monate nichts mehr von zu Hause gehört. Hoffentlich hast Du jetzt die Post von zu Hause be-
kommen. Ich bin jetzt schon wieder 3 Wochen in Lüdinghausen und muß pauken. Die Ferien sind viel zu schnell umgegangen. In Latein habe ich jetzt den Cäsar. Wir sind am 2 Buch und zwar bei der Nervierschlacht. In Deutsch nehmen wir augenblicklich „Die drei gerechten Kammacher“ durch. Das ist eine Lecktüre von Gottfried Keller. In Religion hat uns vorige Tage Herr Dr. Hürfeld einen Brief von Mölders vorgelesen. Das war der letzte Brief den er an einen Probst geschrieben hat. Da konnte man heraus sehen, wie katolisch der Mölders war. Schade um ihn, daß er gefallen ist. Wir haben hier wieder einen neuen Lehrer, wo ich Biologie bei habe.
Sei herzlich gegrüßt von Fritz.