Fritz Kranz an Bruder Gisbert, 4. Februar 1942

4.II.42.

Lieber Gisbert!

Ich habe Deinen Brief vom 31.1.42. erhalten. Ich danke vielmals dafür. Den „Steeler Krieger“ laß Dir von zu Hause gut schmecken. Wenn Du noch länger in Neuruppin bleibst, kommt Mutter Dich zu Deinem Namenstag und Geburtstag besuchen. Ich gratuliere Dir auch zunächst mal zum Geburtstag und Namenstag. Ich kann Dir leider nichts schicken außer eine Karte. Das war aber nett, daß man Euch von der Partei was gebracht hatte. Ich fahre vielleicht in den nächsten Wochen mal nach Hause, weil ich jetzt einen Bezugschein für eine Skihose bekomme. Hier kann ich solch eine Hose nicht bekommen. Hoffentlich darf ich von zu Hause aus fahren. Ich habe

nämlich bis jetzt noch keinen Bescheid von zu Hause, daß ich kommen darf. Es hat hier viel geschneit. Wir machen jeden Sonntag einen langen Spaziergang. In der Woche machen wir jetzt überhaupt keine mehr, weil wir morgens und nachmittags Stunde haben. Wir haben jetzt überhaubt keine Freizeit außer Mittwochs 2 Stunden. Morgens fängt die Schule um 9 Uhr an und hört um 1 Uhr auf. Um 2 Uhr beginnt wieder die Paukerei bis 4 Uhr. Danach Kaffe. Um ½ 5 bis ½ 7 Silentium. Danach Essen. Nach dem Essen können wir noch etwas lesen oder spielen. Das ist so der Tagesplan. Trotzdem geht die Zeit schnell um. Unser Präfeckt hat einen Schachkursus aufgemacht. Ich bin aber nicht dabei, weil

ich das Schachspiel schon seit ein paar Jahren kenne. Meistens spiele ich hier Doppelkopp. Das ist ein Kartenspiel, wobei 4 Mann mitspielen. Die Bücher die ich so in der letzten Zeit gelesen habe sind die von einem Schriftsteller Hans Dominik. Vielleicht kennst Du ihn. Er schreibt hauptsächlich Zukunftsromane. Sie sind sehr spannend. Wir haben in unserer Bücherei hier fast alle Bände. Die Bücher, die ich davon gelesen habe sind:

„Der Brand der Cheopspyramide“.
„Die Spur des Dschingin Chan.“
„Der Erbe des Uraniden“.
„Himmelskraft“.
„Die Macht der Drei“.
„König Laurins Mantel“.
„Befehl aus dem Dunkel“.
„Das stählerne Geheimnis“.
„Kautschuck“.

Das sind sie so ungefähr alle, die ich von Dominik gelesen habe. – Einen Film habe ich auch in der letzten Zeit gesehen: „Feuerteufel“. Es handelt sich im Film im Kampf um Tirol. Er war sehr schön. Gestern haben wir hier den Blasiussegen bekommen.

Für heute muß ich Schluß machen weil es gerade zum Abendessen schellt.

Sei herzlich gegrüßt von Fritz.