Fritz Kranz an Bruder Gisbert („Möldersbrief“), Februar 1942 (?)
Abschrift eines Briefes, den Oberst Mölders kurz vor seinem Tode an den Propst von Stettin richtete.
Fälschung!
Mein lieber Herr Probst!
Zu den schönsten Stunden an der Front gehören die Stunden in denen ich Ihre Briefe lesen kann. Seien Sie mir nicht böse, väterlicher Freund, wenn ich Ihnen nicht immer gleich antworten kann, aber die Zeit fehlt. Über meine Arbeit habe ich Ihnen im letzten Brief geschrieben, sie ist immer noch die gleiche. Inzwischen sind wieder viele meiner Kameraden gefallen. Aber die Angst vor dem Tode haben wir verlernt, denn was ist der Tod anderes als eine kurze Trennung, dann ein besseres Wiedersehn im Jenseits.
Viele der sogenannten „Lebensbe-
jahenden“, die uns zu Anfang der Schlacht verlachten und verspotteten, holen sich jetzt bei den „Lebensverneinenden“ Katholiken Mut und Kraft. Sie beneiden uns, daß wir über das irdische Leben leichter hinweg kommen, als sie, an dem sie mit allen Fasern ihres Herzens hängen. Sie haben den Spott und den Hohn in angesicht unserer seelischen Stärke, die wir allein unserem Glauben verdanken, verlernt. Viele sind bekehrt. Sie setzten das Ideal höher als alle irdischen Schätze und Verlockungen. Und ich glaube, daß hierin ein tiefer Sinn des Krieges liegt. Es ist an der Zeit, daß die Menschen glauben, wieder beten lernen, Ihnen sagen zu können, daß durch unser katholisches Beispiel viele besser und glücklicher
geworden sind. Ihr Spott wandelt sich in Achtung, in Liebe. Für sie ist es nicht so leicht wie für uns, aber es gibt nichts Schöneres, als wenn sich der Mensch durch allen Schlamm hindurchgerungen hat, zum Erkennen, zum Licht, zum wahren Glauben.
Um mich brauchen Sie keine Sorge zu haben. Wenn ich eines Tages mein Leben für die Nation hingeben muß, die Gewißheit kann ich Ihnen geben, ich falle im alten Glauben, gestärkt durch die hl. Sakramente der Kirche. Wenn auf meinem letzten Gang ein Priester nicht dabei sein kann, so verlasse ich die Erde im Bewußtsein, in Gott einen gnädigen Richter zu finden. Noch habe ich die Hoffnung daß sich alles zum Guten wenden
wird. Schreiben Sie mir bitte bald wieder und gedenken Sie im Gebete Ihres
Werner Mölders.
Lieber Gisbert!
Wie Du siehst habe ich Dir einen Brief geschrieben, der von Mölders ist. Es ist eine Abschrift von dem gefallenen Jagdflieger Werner Mölder, der den Brief an den Propst von Stettin richtete. Eine Abschrift habe ich davon schon nach Hause geschickt.
Ich habe Deine Karte erhalten. Ich danke vielmals dafür. Wie Du mir schriebst, wir Mutter jetzt bei Dir sein. Hoffentlich kommst Du in ein Heimatlazarett. Ich freue mich schon darauf, wenn ich Dich besuchen kann.
Herzliche Grüße auch an Mutter, wenn sie noch da ist.
Dein Fritz