Fritz Kranz an seine Eltern, 28. April 1942

Lüdinghausen den 28.4.42.

Liebe Eltern!

Eben erhielt ich Euren dicken Brief, den ich mit 18 Pf. Strafporto in Empfang nahm. Bei solch einem dicken Brief kann man auch nicht nur 12 Pf. draufkleben. Mutter braucht mir später nicht mehr so lange Briefe über Mittagessen zu schreiben. Sie macht mir ja nur den Mund wässerig. Mutter schreibt, ich wäre auch eingeladen gewesen. Ich wäre auch sowieso nicht hier für ein paar Tage weggekommen. Ihr schreibt garnicht, ob Ihr meine beiden Karten bekommen habt.

Gestern, am 27.4., war hier Petrus Canisius, das Fest unseres Hauses. Das festliche war nur morgens die Messe. Die hatte 1 ½ Stunde gedauert. Sonst verlief der Tag genau so wie jeder andere. Nachmittags haben wir noch nicht mal Kuchen bekommen. Ich habe wenig von Canisius „Fest“ gemerkt. Wir haben am 1 Mai frei. Der 1 Mai fällt auf einen Samstag und da dürfen wir schon am Freitag nachmittag fahren. Wenn ich nach Hause kommen soll dann schreibt mir das mal bitte. Das Gisbert in Danzig ist wußte ich noch garnicht. Gisbert selber

hat mir nach den Ferien noch nicht geschrieben. –

Wir haben jetzt hier in unsere Bücherei über 100 neue Bücher bekommen, die Dr. Hürfeld irgendwo noch bekommen hat von einem aufgelösten „Kasten“. Ich habe von dieser Bücherei im Ganzen 109 Bücher gelesen – es sind ungefähr 200 ohne die Neuen. Ist das nicht viel. Ich muß für meine Uniform einen Dolch haben der jeder, der eine Uniform hat, tragen muß. Man kann hier welche bekommen. Ich habe in Steele ja schon überall danach gefragt, aber hatte ja keinen bekommen. Schickt mir also 4 RM. So viel kostet er nämlich genau.

Wie Mutter schreibt, ist Günter auch mit nach Tante Maria gefahren. Der hat wohl am meisten „gespachtelt“. –

Ich kann hier nur einmal in der Woche in der Stadt. Und gerade dann hat hier das Waffenlager zu, wo ich meine Kugeln holen will für mein Luftgewehr. Hoffentlich komme ich mal so nebenbei in der Stadt, daß ich mir mal ein paar Kugeln besorgen kann. Der Günter soll ja mit den Kugeln sparsam sein; vielleicht bekomme ich hier überhaubt keine mehr.

Also für heute herzliche Grüße

Fritz