Fritz Kranz an seine Eltern, 11. Mai 1942
Lüdinghausen den 11.5.42.
Liebe Eltern!
Habt Ihr meinen Einschreibebrief mit dem Bezugschein erhalten? Ich bin froh, daß ich den bekommen habe. Meine Sonntagsschuhe sind nämlich so eng geworden, daß ich unbedingt neue benötige. Von Gisbert habe ich außer der einen Karte keine Post mehr bekommen. Klaus hat mir einen langen Brief geschrieben. Der hat aber eine Schrift, als wenn ein Huhn über ein Blatt Papier gelaufen wäre. Das kann man kaum entziffern. So ungefähr habe ich es aber herausbekommen, was er geschrieben hat. Wie ich Euch ja schon geschrieben habe, sind die Pfingstferien ja sehr kurz. Sie werden höchstens
5-6 Tage dauern. Gestern ist uns beim Dienst gesagt worden, daß wir Anfang Juli zum Ernteeinsatz herangeholt werden. Die Jungen und Mädchen hätten jetzt im Kriege auch eine Aufgabe, und daß wäre, wir hätten für die Ernährung des deutschen Volkes zu sorgen. Wir hätten im Kriege überhaupt kein Anrecht mehr auf Ferien. Die höheren Schulen von Lüdinghausen werden in zwei Lager eingeteilt. Ein K.Ü. Lager (Kriegsübungslager) welches in Haltern am Stausee hinkommt, und ein anderes Lager in der Umgebung von Lüdinghausen. Wo ich bei komme kann ich nicht sagen. Wir bekommen alle einen Stellungsbefehl und haben uns dann da
oder da zu melden. Wie lange wir beim Bauern bleiben müssen, daß weiß ich nicht. Auf alle Fälle wird aus meinen Herbstferien nicht viel.
Gestern Morgen hatten wir von 9 Uhr bis ½ 1 Uhr ein Konzert gehört. Ein Orchester von Münster unter Leitung von Josef Hayden ist nach Lüdinghausen gekommen und hat hier morgens und abends eine Vorstellung gegeben. Das Stück was gespielt wurde hieß die „Schöpfung“. Es hat mir sehr gut gefallen.
Für heute will ich mal Schluß machen. Herzliche Grüße auch für Karl-Heinz und Günter
Euer Fritz