Familie Kranz an Sohn und Bruder Gisbert, 1. November 1942
1.XI.42
Lieber Gisbert!
Mit der H.J. Geschichte ist jetzt alles in Ordnung. Gestern mußte ich zum Erfassungsapell, auf welchem viele Jungen anwesend waren. Ich schätze auf 200-300. Heute hatten wir zum ersten Male Dienst. Er dauerte von 9 - ½ 1 Uhr. Der Bannführer hielt eine Rede, in welcher er uns die Pflichten darlegte z. B. Daß wir Papier, Flaschen, Knochen[=?] und anders Zeug sammeln müßten. Wir müssen jeder zwei Wochen zum Dienst erscheinen. Wir müssen für die Kinder der gefallenen Väter Spielzeug herstellen wie z. B. aus Sperrholz. Weihnachten haben wir dieses an Kindern zu überreichen. Nächsten Samstag muß ich mit noch andern in der Ruhrstraße Altpapier sammeln gehen. Ich gehe jetzt zwei mal in der Woche baden. Natürlich nicht in der Ruhr, sondern im Hallenbad in Essen.
Für heute herzliche Grüße
Fritz
Lieber Gisbert! Deinen lb. Brief erhielten wir heute. Herzl. Dank. Fein, daß Du eine Kunstschrift machst. So bleibst Du in Übung. Wie hat Dir der Film „Entlassung“ gefallen? Er läuft jetzt hier in der Lichtburg und ist die Zeitung voll des Lobes darüber. Ich will ihn mir mit Vater auch mal ansehen. Auch möchten wir Mittwoch anläßlich der 50 Jahr Feier des Essener Opernhauses in die Festvorführung „Odysseus“. Hoffentlich glückt es uns morgen Karten zu bekommen. Also Du schriftstellerst mal wieder! Da wünsche
ich Dir guten Erfolg u. klingende Münzen. Gehe ruhig in’s Kino, wenn gute Filme laufen. Wer weiß ob Dir lange dergleichen noch vergönnt ist. Auch das Theater besuche nebst andern Bildungsstätten. Ich weiß, wie Du als Kunstbeflissener alles besonders genießest. Wenn’s uns glückt mit dem Studienurlaub. Wie würde ich mich mit Dir freuen. Ich schickte Dir Freitag einen Brief von Bonn zu, den Du inzwischen wohl bekommen hast. Recht herzl. Sonntagsgruß u. Kuß
Deine Mutter.
Lieber Gisbert!
Deinen Brief vom 30.10. haben wir erhalten und danken wir bestens dafür. Heute war ich nach langer Zeit zum H. J. Dienst gegangen. Lange habe ich dies ja nicht mehr nötig. Gestern habe ich zum 1. mal mein „Gehalt“ bekommen (62,- RM ./. 6,67 RM). Augenblicklich haben wir hier schlechtes Wetter. Für heute Schluß. Einen herzlichen Gruß von Deinem Bruder Günter.
Karl Heinz hat am 4.11. Namenstag.
Lieber Gisbert! Was soll ich Dir schreiben? Trostloses Allerheiligen-Wetter bis zum späten Nachmittag. [.?.] hörte der Regen rechtzeitig auf, damit die Leute zum Friedhof und Allerseelen-Predigt gehen konnten.
Dir weiter alles Gute wünschend bin ich mit herzlichen Grüßen
Dein Vater