Fritz Kranz an Bruder Gisbert, 5. August 1943
den 5.8.43.
Lieber Gisbert!
Ich habe von Dir schon mal einen Brief erhalten, den ich aber nicht beantworten konnte, weil Mutter nur sagte, ich solle erst Deine neue Addresse erwarten. Vielleicht hat Mutter Dir schon geschrieben, daß ich hier im Revier in Kupferdreh liege und zwar wegen eines Unfalles beim Sport. Und zwar habe ich einen Hodenbruch und einen kleinen Leistenbruch. Ich liege nun schon ungefähr eine Woche flach und gedenke noch einige Wochen die Matrazen zu wärmen. Als ich ein paar Tage gelegen hatte, machte ich mich am 1. August dadurch (aber nur für einen Nachmittag), denn wir hatten Batteriefest, zu dem alle Eltern der Luftwaffenhelfer eingeladen waren und ich hatte auch noch Geburtstag, von dem ich auch etwas merken wollte. Ich ging nun zur Batterie und
fand dort Vater und Mutter vor. Kuchen haben wir dort in rauhen Mengen bekommen, eine eigene Jazzkapelle hatten wir auch aufgemacht und Zauberkunststücke wurden zum Besten gegeben, daß es an Unterhaltung bestimmt nicht fehlte. Heute war Vater und Mutter hier und besuchten mich. Bei einem solchen Leben kann man es bestimmt aushalten wie ich es augenblicklich führe: Ich schlafe in einer 3 Mann Bude, besitze einen Kopfhörer, bekomme gute Verpflegung, habe Ruhe und, was die Hauptsache ist, ich brauche nichts zu tun als zu lesen und zu schlafen. Das Revier, in welchem ich liege wird morgen zum Lazarett gemacht. Vielleicht habe ich da noch Aussicht auf Erholungsurlaub nach meiner Entlassung, da es den nur im Lazarett gibt. Viele Grüße Fritz.
Meine Batterie liegt in Überruhr.
Ich schreibe im Bett, daher die schlechte Schrift.